Vorweihnachtliche Feierlichkeiten

Wir wissen alle, dass in vielen Ländern bereits Anfang Dezember vorweihnachtliche Feierlichkeiten stattfinden, bei denen auch Geschenke verteilt werden. Fast überall auf der Welt schreiben Kinder Briefe an mythische Gestalten, die nach Heiligen benannt wurden und vollgepackt mit Geschenken mit Rentieren, Pferden oder Eseln durch die Nacht reisen, um die Geschenke für die Kinder in deren Häuser zu bringen, in die sie auf mysteriöse Weise durch Fenster oder Kamine einsteigen. Die Familien stellen freundlicherweise ein bisschen was zu essen und Wasser für die Heiligen und ihre Tiere bereit.

Sinterklaas, Lucia und andere Heilige

Belgien und Niederlanden

Laut Sage reitet in Belgien und den Niederlanden Sinterklaas (in Deutschland Heiliger Nikolaus, in Italien San Nicola und in den USA Santa Claus genannt) in der Nacht des 5. Dezember mit seinem weißen Pferd über die Dächer. Bei den Feierlichkeiten in verschiedenen Städten ist er wie ein Bischof gekleidet, mit einem Bischofsstab in der Hand und einer roten Mitra auf dem Haupt. Begleitet wird er von seinen dunkelhäutigen, schelmischen Gehilfen, den zwarten Pieten (niederländisch für Schwarzer Peter), die Geschenke und Kruidnoten, spezielle Süßigkeiten zum Nikolaustag, an die Kinder verteilen.

Deutschland

In Deutschland weichen die Traditionen je nach Region ein wenig voneinander ab.  Der Nikolaus bringt seine Geschenke in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember und damit er die Kinder leichter findet, stellen sie Stiefel zum Auffüllen vor die Tür oder hängen eine große Socke in den Kamin.

Italien

In einigen nördlichen Regionen Italiens (Emilia-Romagna, Lombardei, Veneto und Trentino-Südtirol) und in Sizilien (wo die Heilige Lucia geboren wurde), aber auch in anderen Ländern Nordeuropas (Russland, Polen, Dänemark und Schweden) wird am 13. Dezember das Luciafest gefeiert. Warum das Fest ausgerechnet auf diesen Tag fällt, dafür gibt es zwei Erklärungen: Es ist Wintersonnenwende (nach altem Kalender), wenn das Bedürfnis nach Licht (Lucia, „die Leuchtende“, von lateinisch lux = „Licht“) besonders spürbar wird und laut Tradition ist es auch der Tag des Martyriums der Heiligen.

Wer war Lucia?

Lucia wurde Ende des 3. Jahrhunderts in Syrakus in eine wohlhabende, christliche Familie geboren. Der Vater verstarb schon sehr früh und die Mutter wurde schwer krank. Heilung erfuhr sie durch die heilige Agatha und daraufhin beschloss Lucia ihr Leben Gott zu widmen. Sie verschenkte all ihre Güter an die Armen und wies ihren versprochenen Bräutigam zurück. Letzterer zeigte sie daraufhin bei den römischen Behörden an, unter dem Vorwurf sie sei Christin. Zu damaliger Zeit fand die letzte erbitterte Christenverfolgung seitens Diokletian statt und Lucia wurde zum Tode verurteilt. Sie überlebte Foltern und Scheiterhaufen bis sie schließlich, am 13. Dezember 304, durch Enthauptung zu Tode kam.

Man beerdigte Lucia in den Katakomben von Syrakus und ernannte sie zur Schutzpatronin der Stadt. Wegen ihres Namens, der sich auf Licht und im weitesten Sinne auf das Sehen bezieht, wurde sie für die Gläubigen zur Beschützerin, an die man sich bei Augenerkrankungen wenden kann.

Die Verehrung der heiligen Lucia erstreckt sich über viele Städte Italiens und Europas, über die auch einige ihrer Reliquien verteilt sind.

Wie wird das Luciafest gefeiert?

In Schweden trägt ein in weiß gekleidetes Mädchen mit einem roten Band, als Symbol für das Martyrium, eine Krone mit brennenden Kerzen auf dem Kopf. Das Mädchen trägt ihr Licht und das Licht Christi in die Prozession, gefolgt von anderen weiß gekleideten Mädchen, die im Vorbeigehen singend kleine Geschenke und Kekse an die Menschen verteilen.

In Norditalien schreiben die Kinder in den ersten Dezembertagen einen Brief mit einer Wunschliste an die heilige Lucia. Am Abend des 12. Dezember stellen sie ein Glas Wasser für die Heilige und ein bisschen Heu oder Karotten für ihren Esel bereit, mit dem diese sich auf den Weg macht die Geschenke zu verteilen. Dann gehen sie schnell ins Bett, denn die heilige Lucia kann man weder sehen noch hört man sie kommen.

Ausschnitt aus dem Tagebuch meiner Mutter

Meine heilige Lucia

Hinter dem Haus, in dem ich als kleines Mädchen gelebt habe, befand sich ein Kanal und auf dem begrünten Damm gingen wir manchmal spazieren. Vom Fenster meines Kinderzimmers im ersten Stock konnte ich einen Abschnitt des Damms sehen. Ich bin mir ganz sicher, damals, als ich zwei oder drei Jahre alt war, habe ich eines Abends die heilige Lucia vorbeikommen sehen. Meine Mutter hatte mir erzählt, dass sie in jener Nacht kommen würde, um mir ein Geschenk zu bringen, mit einer Kerze auf dem Kopf auf ihrem Esel reitend, der im Trott die Glöckchen erklingen lässt. Und ja, ich bin mir ganz sicher, ich habe die Glöckchen gehört und ich habe ein Lichtlein, wie eine Sternschnuppe, auf dem Damm des Kanals vorbeihuschen sehen.
Den Beweis hatte ich ja auch am nächsten Morgen, als ich in die Küche rannte, in der ich am Abend zuvor das Glas Wasser für die Heilige und ein bisschen Heu und eine Karotte für den Esel bereitgestellt hatte. Auf dem Tisch lag ein kleines Päckchen mit einer Schleife und das Glas daneben, das war leer.                                                                                                                      Von Heu und Karotte war nicht der kleinste Krümel zu sehen.

Warten auf Santa Lucia