Die Idee zu meinem Artikel von heute kam mir, als ich in einer englischen Zeitung las, dass eine bekannte Whiskymarke ihre Kunden aufgefordert hatte, sich Gedanken darüber zu machen, wie man am besten jeden Tropfen des kostbaren Destillats aus der Flasche bekommen könnte.

Seitdem werden bei mir zuhause alle Flaschen – egal ob mit Likören, gutem Öl, Milch oder anderen Flüssigkeiten – regelrecht „ausgepresst“: Ich stelle sie auf den Kopf und fange den Rest in einem Behälter auf, den ich darunter stelle – so lange, bis wirklich nichts mehr herauskommt. Genauso mache ich das auch mit Kosmetika und Flüssigwaschmitteln. Denn schlecht geworden ist das, was noch in der Flasche ist, ja nicht – zumal ich auch den allerletzten Tropfen mitbezahlt habe.

Nicht minder gut sind die Essensreste, die auf unseren Tellern und in den Pfannen und Töpfen übrigbleiben: Nur ein paar Minuten früher waren sie noch Leckerbissen und plötzlich – völlig ohne Grund – sehen wir da nur noch eine „dreckige“ Schüssel oder Pfanne.  Dann wäre ja der Teller noch viel „dreckiger“, als er noch voll war! Wir sollten es wieder so machen wie unsere Großeltern und die restliche Soße mit etwas Brot auftunken! Eine Pfanne, in der noch ein wenig Öl oder Soße übriggeblieben ist, sollten wir nicht als eine schmutzige Pfanne betrachten, die gleich gespült werden muss, womit wir nur Zeit und Waschmittel verschwenden. Ist es nicht eine viel bessere Idee, darin Kochgeschirr zu sehen, das schon für die Zubereitung der nächsten Mahlzeit bereit ist? Dann würde es genügen, die Pfanne einfach nur beiseite zu stellen, bis man sie wieder braucht! Mal sehen, wie viele gute Ideen wir zusammenbekommen, mit denen wir im Alltag Abfall vermeiden können. Ich starte gleich und sammle ein paar meiner Ideen für euch:



1. Gemüse: Auch die „Reste“ sind lecker

Normalerweise wird bei Gemüse das Grün abgeschnitten und dann einfach weggeworfen – dabei kann man auch diese „Reste“ mit etwas Fantasie gut verwerten. Wenn ihr Fenchel, Sellerie, Frühlingszwiebeln oder Blumenkohl zubereitet, wäre es schade, die grünen und nicht ganz so zarten Teile in den Müll zu werfen. Einfach schälen und in Stücke schneiden, in einen Gefrierbeutel geben und ab damit ins Gefrierfach: Wenn ihr dann ein paar Tage später eine reichhaltige Suppe mit vielen leckeren Gemüsestückchen machen wollt, ist die Hälfte davon schon fix und fertig – und das auch noch kostenlos!

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2. Gibt das Leben dir Zitronen, mach‘ nicht nur Limo daraus!

Wer Zitrusfrüchte liebt, sollte Sorten wählen, deren Schalen essbar ist. Wie geht das? Zum Beispiel, indem man die Schalen trocknet. Bevor ihr also in Zukunft eine Orange schält oder eine der berühmten Zitronen aus dem süditalienischen Sorrento verwendet, könnt ihr mit einem Sparschäler die äußere Schale abschneiden und dann zum Beispiel auf der Heizung in einer recycelten Schale trocknen. Die trockenen Zitrusschalen dann einfach in einem Glas oder einem mit Löchern versehenen Brotbeutel aufbewahren. Die Schalen, die ihr so im Winter gesammelt habt, geben euren Fleisch- und Fischgerichten das ganze Jahr über einen ganz besonderen Geschmack und sind auch eine wertvolle Zutat für Marmeladen. Die getrockneten Zesten kann man außerdem prima in Duftsäckchen füllen und in Schränke und Schubladen legen.

3. Ein zweites Leben für Behälter aus Glas und Plastik

Die berühmten drei bzw. vier „R“ – Refuse, Reduce, Reuse, Recycle – zeigen uns den Weg, wie wir Produkte mit (zu viel) Verpackung vermeiden können. Aber da wir uns dem Verpackungswahnsinn in den Supermärkten oft leider nicht einfach verweigern können, sollten wir zumindest all die Schalen, Schachteln und Gläser, die wir mit nach Hause bringen, sinnvoll wiederverwenden und recyceln. Einmal von den Etiketten, die darauf kleben, befreit, können wir zum Beispiel die Gläser dazu verwenden, um darin nicht etwa „Essensreste“ (das Wort gefällt mir nicht), sondern eine „zweite Portion“ Fleisch, Fisch, Brühe, Soße, Eingemachtes und vieles mehr aufzubewahren. Wie oft kommt es vor, dass wir Tomatensoße in großen Gläsern oder ein großes Stück Butter kaufen und lediglich einen kleinen Teil davon verwenden – nur um dann den Rest nach ein paar Tagen wegzuwerfen? Wäre es stattdessen nicht viel besser, die Soße oder die Butter gleich in kleinere Portionen aufzuteilen und in kleinen recycelten Behältern im Gefrierfach aufzubewahren?

4. Plastikbeutel: Wiederverwenden statt wegwerfen

Meine Großmutter kam schon früh auf die Idee, die vielen schönen Gefrierbeutel in allen Größen nicht etwa wegzuwerfen: Oft waren die Beutel nach dem ersten Gebrauch noch sauber und wenn innen doch noch Reste von Lebensmitteln klebten, drehte sie die Innenseite einfach nach außen, spülte sie unter laufendem Wasser aus dem Hahn ab und trocknete sie dann mit einem Tuch. Das Ergebnis: Die Beutel waren wieder wie neu (und im Meer weniger Plastik)! Meine Großmutter recycelte auch die weißen Verschlüsse der Beutel, die sie in ihrer Besteckschublade in einem kleinen Sardellenglas aufbewahrte.

5. Tuben und Tiegel weiterverwenden.

Nicht nur die Verpackungen aus Glas und Plastik aus der Küche lassen sich wiederverwenden! Auch im Bad fallen tagtäglich leere Tuben und Tiegel an, denen ein „zweites Leben“ vergönnt sein sollte.

Bevor bei mir der elegante Tiegel für die Nachtcreme oder der Flakon mit dem Schaumbad in den Abfalleimer wandern, denke ich immer darüber nach, wofür ich sie noch verwenden kann. Und natürlich sorge ich dafür, dass das alte Etikett durch einen neuen Aufkleber ersetzt wird, auf dem steht, was drin ist – damit ich morgens das Mundwasser nicht mit dem Duschgel verwechsle.

Wenn ihr kleine Kinder habt, dann sammelt doch einfach alle leeren Papier- oder Plastikschachteln, Gläser, Verpackungen und Flaschen mit ihren Originaletiketten. Ihr fragt euch wozu? Um zu spielen! Die Kinder werden ihren Spaß daran haben, die echt wirkenden Waren in die verschiedenen „Abteilungen“ einzusortieren. Nun braucht ihr nur noch einen „Einkaufswagen“ und eine „Kasse“ und schon ist euer Kaufladen fertig – ohne Extrakosten.

6. Wasser und Reinigungsmittel sparen: In der Geschirrspülmaschine und …

Eine alte australische Freundin bemerkte, dass ich Tassen oder Töpfe, die nicht sehr schmutzig sind, ausspüle. Daher schlug sie mir zwei Ideen vor: Tassen und Gläser mit meinem Namen zu markieren und sie mindestens einen Tag lang zu benutzen und alles in die Spülmaschine zu stellen und mit dem Kurzprogramm (35 Minuten) zu spülen. Sie weiß genau, wie man Wasser spart, denn „Down Under“ muss man schon seit jeher auf dieses kostbare Nass aufpassen.

7. … in der Waschmaschine.

Wie oft passiert es, dass wir – ohne viel darüber nachzudenken – fast saubere Kleidung in die Waschmaschine werfen, nur weil wir sie ein paar Stunden anhatten. Und dann lassen wir auch noch das Intensivprogramm mit schön viel Waschmittel laufen. Ebenso wie beim Geschirr in meinem Beispiel von oben glauben wir, so „schmutzig“ zu sein, dass wir täglich duschen und unsere Kleidung sogar zwei Stunden lang bei 90° mit literweise Waschmittel „sterilisieren“ müssen.

Ich habe entdeckt, dass es auch ein Kurzprogramm gibt, mit dem in 15 Minuten bei 30° nicht nur empfindliche Kleidung gewaschen werden kann. Damit lassen sich auch Sweatshirts und Socken gut auffrischen, die man nur wenige Stunden getragen hat. Auch darüber freut sich die Umwelt.

Dies sind nur einige wenige Ideen, mit denen wir unser Leben umweltfreundlicher gestalten können. Ich bin mir sicher, dass wir mindestens 20 Ideen entwickeln können, um Tag für Tag kostbare Ressourcen zu sparen.

**UPDATE** (Stand 15.03.2019)

Und hier kommen die Idee, die meine lieben KollegInnen, Bekannte und Facebook-FreundInnen beigesteuert haben:

8. Der selbstgemachte Allzweckreiniger

Der umweltfreundlichste Allzweckreiniger? Ist natürlich der, den man selber machen kann. Wie das geht, erklärt meine geschätzte Kollegin Paola Manfreda, Italienischübersetzerin aus Leipzig:
Einfach Zitronen- und Orangenschale zu einer Mischung aus Wasser und Essigessenz geben.

9. Die Gemüsebrühe? Sollte einem nie ausgehen!!


Aus dem Abschnitt vom Gemüse und Pilzen (im Gefrierschrank gesammelt) eine Gemüsebrühe kochen, als Eiswürfel einfrieren und zum Kochen verbrauchen, wenn das Rezept nur etwas Brühe verlangt.

Dragana Molnar, Übersetzerin für Deutsch, Italienisch und Französisch

10. Ohne Verpackungen lebt es sich besser!

Mit ein wenig Kreativität und kleinen Gesten, kann man unnötige Verpackungen vermeiden. Es muss nicht unbedingt wehtun und es kann auch Spaß machen, wie diese drei Erfahrungsberichte zeigen:


Auf einige Verpackungen kann man aber getrost verzichten. Yogurt gibt es auch im Mehrwegglas. Teure Ofenreiniger braucht man nicht. Backpulver ist genau so gut. Teure Entkalker müssen auch nicht sein. Stattdessen kann man reine Zitronensäure verwenden.

Paola Manfreda, Italienischübersetzerin für Technik und Recht

Auch bei Kosmetik, gibt es durchaus mehrere Möglichkeiten, Plastik zu vermeiden.


Bei Kosmetik setze ich so oft es geht auf Unverpacktes: Shampoo und Peeling in fester Form, Seife statt Duschgel, statt Wattepads nehme ich waschbare Baumwollpads.

Tatjana Dujmic, Übersetzerin für Wirtschaft und Finanzen (Deutsch-Englisch)

Und wer hat gesagt, dass man Obst und Gemüse unbedingt in Einwegtüten kaufen muss?


Im Supermarkt lege ich Obst und Gemüse immer lose in den Einkaufskorb und aufs Band. Auch wenn die Leute komisch gucken, wenn ich die Kartoffeln oder Möhren, so wie sie sind, aufs Band lege. Aber besser als diese Mini-Plastiktüten.

Katja Althoff, Übersetzerin (EN/FR>DE) & Texterin für die IT-Branche


11. Wundermittel Kaiser-Natron


Ich benutze zum Putzen und Waschen und für viele andere Dinge gern Kaiser-Natron. In der Waschmaschine ersetzt mir das Pulver den Weichspüler. Wasser mit Kaiser-Natron entkalkt ganz gut den Wasserkocher. Vermischt mit etwas Creme ersetzt es auch (unterwegs) das Deo. Mit Wasser zu Brei vermengt ist es auch ein tolles Shampoo und ein Gesichtsreiniger (nur nicht in die Augen bekommen – es brennt etwas). Beim Putzen nutze ich schon lange nur noch ein normales Spülmittel (aber bio) und einen Fett-Reiniger. Ansonsten mische ich Haushaltsessig mit Wasser für das Bad und Klo. Mit normalem Essig geht eh alles viel besser weg als ein giftiger Bad-Reiniger.


Katja Althoff, Übersetzerin (EN/FR>DE) & Texterin für die IT-Branche

12. Müll vermeiden im Mülleimer!


Ich habe letzte Woche den Versuch gemacht, den Biomüll in einem mit Zeitungspapier ausgelegten Eimer zu sammeln. Ich bin sehr zufrieden. Das Papier saugt die Säfte auf und der Eimer bleibt weitgehend sauber und trocken.


Paola Manfreda, Italienischübersetzerin für Technik und Recht

Aus den 7 Ideen sind jetzt also 12 geworden. Aber ich min mir sicher, dass hier noch was geht!! Schreibt mir weiterhin gerne eure Ideen in den Kommentaren. Ich werde dann den Artikel erweitern und euch als Quelle nennen!