Nein, Klischees und Verallgemeinerungen mag ich auch nicht. Es ist weder fair noch sinnvoll, Menschen nach der Nationalität in Schubladen zu stecken. Allein schon wegen der Unterschiede zwischen den Regionen sowie Klein- vs. Großstädten. Jeder Mensch ist einzigartig und ich bin der festen Überzeugung, dass wir als Eventprofis vor allem Raum für diese Einzigartigkeit schaffen sollten. Damit sich jeder frei entfalten und einbringen kann.
Das gilt insbesondere für meine Landsleute. Ich kenne viele Menschen aus verschiedenen italienischen Regionen und stelle immer wieder fest, dass die Schulfreundin, die in einer Marketingagentur in Mailand arbeitet, ganz anders „tickt“, als die Neapolitanerin oder dieser andere Freund, der nie aus der Kleinstadt wegziehen wollte.
Doch im Laufe der Jahre habe ich sowohl in meinem privaten Umfeld als auch bei den hunderten Veranstaltungen mit italienischen Gästen, die ich als beratende Dolmetscherin begleitet habe, ein paar Muster erkannt. Daraus haben sich wiederum Ideen und Überlegungen ergeben, die ich mit den Eventprofis aus meinem Netzwerk teilen möchte.
Ursprünglich wollte ich das alles in einen Beitrag packen. Doch schnell merkte ich, dass er viel zu lang geworden wäre. Daher plane ich demnächst einen Teil 2 über Sprache und Ansprache.
Italien – ein starker Businesspartner
Für einige Unternehmen, die ich regelmäßig als Strategin und beratende Dolmetscherin unterstütze, sind die italienischen Vertriebspartner wichtige Verbündete, da sie gute Leistungen erbringen.
Und vom deutschen Mutterkonzern entsprechend belohnt werden: mit spannenden Fortbildungen und Netzwerk- oder Incentive-Veranstaltungen, die Wertschätzung ausdrücken und den konstruktiven Austausch fördern. In letzter Zeit erlebe ich immer öfter, dass das italienische Team auch aktiv bei der Organisation dieser Veranstaltungen einbezogen wird.
Wenn Du bisher nur selten Veranstaltungen mit italienischen Gästen organisiert hast, könnte sich das also bald ändern.
Im Folgenden möchte ich Dir gerne Denkanstöße zum Thema Programm und Pausen geben und auch direkt das heikle Thema Essen ansprechen.
Das offizielle Programm
Sollte nicht zu eng getaktet sein. Plane gerne großzügige Pausen ohne (verbindliche) Netzwerkaufgaben.
Vieles ergibt sich in Italien bei lockeren, spontanen und persönlichen Gesprächen ohne festen Plan. Wenn Dolmetscher:innen dabei sind (mehr dazu in Teil 2), können sie auch bei diesen lockeren Gesprächen unterstützen (mehr dazu erzähle ich Dir gerne in einem unverbindlichen Call). Du wirst aber sehen, dass einiges auch über Drittsprachen und Gestik klappt, wenn jeglicher „Druck“ und der offizielle Rahmen wegfällt.
Wenn die Aufgaben bei der Gruppenarbeit oder beim Networking sehr präzise definiert sind und deren Ausführung streng überwacht wird, könnte irgendwann ein wohlgemeintes „E che siamo, a scuola??“ (Sind wir in der Schule oder was?) durch den Raum tönen. 😊
Besser die Fragestellungen und Aufgaben etwas allgemeiner formulieren, z. B. „Was sind deine Erfahrungen mit XY?“. Oder so, dass alle etwas dazu sagen können.
Das Rahmenprogramm
Auch hier gilt: Bloß nicht zu straff. Wenn ich italienische Delegationen begleite, fällt mir immer wieder auf, dass die Gäste den Veranstaltungsort auch gerne im eigenen Tempo oder in kleinen eingespielten Gruppen erkunden möchten. Yep, Freizeit zum Shoppen ist ein Muss! Für einige Gäste ist das vielleicht DIE Auslandsreise des Jahres. Dann freuen sie sich eher über Tipps, wo sie ein Geschenk für die bessere Hälfte oder die Kinder kaufen können, als über die perfekt organisierte Stadtrallye.
Oder vielleicht verbindest Du die Stadtführung oder Rallye mit dem Weg vom Hotel zur Location? Dann hast Du auch gleich eine ökologische Lösung für den Transfer gefunden und keiner bekommt Parkstress. Lass uns gerne darüber im Call brainstormen!
Das Restaurant fürs Abendprogramm
So, und jetzt kommen wir endlich zum allerwichtigsten Punkt: die Verpflegung.
Darf ich Dich zuerst mal beruhigen? Wenn das Event stark ist, die Dramaturgien sitzen und die Chemie stimmt … kannst Du das alles nicht durch eine Fehlentscheidung bezüglich des Essens versauen. Nein, auch nicht bei italienischen Gästen.
Allerdings stimmt es auch, dass wir Italiener:innen generell viel Wert auf gutes Essen legen und liebevoll und frisch zubereitete Speisen zu schätzen wissen.
Hat das Event eine Philosophie, die das Essen einschließt? Bleib ihr und auch den Gastronomen gerne treu, die bei vergangenen Events Gäste aus anderen Ländern überzeugt haben.
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Ein konkretes Beispiel
Du hast einen bewährten Caterer oder ein Restaurant, das auf hochwertige vegane Poké-Bowls spezialisiert ist. Das passt auch wunderbar ins nachhaltige Konzept Deiner Veranstaltung. Wie wird das bei den italienischen Gästen ankommen? Lass mich mal eine Prognose wagen.
- Ein Teil der Gäste kommt aus Großstädten und schwört in der Mittagspause schon seit Jahren auf Pokés, weil lecker, gesund und unkompliziert. Sie haben wahrscheinlich eh Wichtigeres zu besprechen als das Essen.
- 2–3 andere kennen das noch nicht, da sie krank waren, als sich ihre Clique im neuen Poké-Restaurant getroffen hat, und freuen sich, dass sie endlich in den Genuss kommen.
- Ein paar andere (ich hoffe, wirklich nur ein paar) … werden sich eh beschweren. Über die Woke-Kultur, die uns zwingt, vegan zu essen und die Traditionen zunichtemacht. Oder über die langsame Bedienung oder was auch immer. Aber sei mal ehrlich: Willst Du Dir wirklich von ein paar Miesmachern die Laune verderben lassen?
Doch lieber beim Italiener reservieren?
Wenn Du einen großen Tisch beim Italiener um die Ecke buchen möchtest, um „auf Nummer sicher zu gehen“, würde ich dir davon eher abraten. „Italienische“ Restaurants außerhalb von Italien passen sich oft naturbedingt dem örtlichen, nichtitalienischen Publikum an.
Das Gemeckere über den billigen geriebenen Käse auf der Pizza und Vergleiche mit der Lieblingspizzeria daheim könnten sehr viel Raum in Gesprächen einnehmen und sinnvollerem Smalltalk Zeit stehlen.
Fazit: Sei mutig!
Damit meine ich nicht nur den sprichwörtlichen Mut zur Lücke – weniger Programm, mehr Leerzeiten – sondern auch den Mut, zu inspirieren. Mit innovativen, nachhaltigen Ideen, die Deine Gäste herausfordern, ohne sie zu überfordern.
Darf es etwas konkreter werden? Buche einen kostenfreien Call mit mir persönlich und erzähle mir mehr:
https://calendly.com/saccani-translations/strategiegesprach
Ich bin schon gespannt, was Du planst!






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