Die kulinarische Reise kann beginnen…

Heute stelle ich ein Dessert vor, über das ich bereits in meinem alten Blog berichtet habe. Es genügt mir nicht, Euch lediglich ein Rezept mit an die Hand zu geben. Vielmehr möchte ich Euch auf eine kulinarische Reise in meine Heimat entführen und erzählen, warum gerade dieses Dessert nicht mehr aus dem Weihnachtsmenü der Familie Saccani wegzudenken ist. Bevor ich Euch die Geschichte der Ricotta-Torte, im wahrsten Sinne des Wortes, auftische, möchte ich noch kurz darauf hinweisen, dass meine Mutter diese Leckerei gerne nach einem mehrgängigen Abendessen kredenzt. Meistens sträuben sich die bereits pappsatten Gäste davor, noch einen Happen zu sich zu nehmen. Doch jeder Widerstand ist zwecklos! Sobald sie vom Dessert kosten, ist es auch schon um sie geschehen. Sie erleben, entschuldigt die Wortwahl, einen wahren kulinarischen Orgasmus.

Die Geschichte

Der Ursprung des Rezepts verliert sich in grauer Vorzeit. Wir befinden uns im Jahr 1965. Damals lebte meine Mutter, Antonietta, zusammen mit ihren Eltern in einer Villa, in der sie als Bedienstete arbeiteten. Schon damals, im zarten Alter von 15 Jahren, experimentierte meine Mutter gerne in der Küche. Der Signorina Rosa, der Haushälterin, war dies nicht entgangen und so verriet sie der jungen Antonietta das „Geheimrezept“ der Ricotta-Torte.

In der damaligen Zeit war „Slow Food“ keine moderne Ernährungsbewegung und auch kein Qualitätsmerkmal, sondern die einzige Möglichkeit, um Speisen zuzubereiten. Alternativen gab es nicht. Allzweck-Küchenmaschinen hielten erst einige Jahrzehnte später Einzug in die Haushalte. Im Gegenzug waren die Hausfrauen jedoch mit viel Zeit gesegnet. Wundert Euch als nicht, wenn ihr Dinge wie „die Butter und den Zucker eine halbe Stunde lang verrühren“ im Rezept lest – es handelt sich nicht um einen Übersetzungsfehler. Natürlich darf man in der heutigen Zeit einfach auf Stabmixer und andere Küchenhelfer zurückgreifen oder undankbare Aufgaben an fleißige Helfer delegieren.

ricetta-ricottaEin altes Rezept

Wie auf dem Bild unschwer zu erkennen ist, mangelt es diesem Rezept gewiss nicht an Authentizität. Es wurde 1959 von der Signorina Rosa mit viel Liebe und in einer Schönschrift, die für die damalige Zeit typisch war, niedergeschrieben. Meine Mutter hat das Rezept nie abtippen wollen, weil es ihr Freude bereitet, das Original bei der Zubereitung vor Augen zu haben. Voller Stolz präsentiert sie immer wieder den Tischgästen, die sich dann in den meisten Fällen noch in einer kulinarischen Trance befinden, das alte Schriftstück.

 

Doch kommen wir nun zum Kern des Rezepts, den Zutaten:

Ricotta: Der Ricotta spielt in diesem Rezept die Hauptrolle. Bei uns wird er frisch in der Käserei gekauft, wo Landwirte ihn direkt nach der Herstellung hinbringen. In Deutschland findet man ihn in italienischen Supermärkten. Ich entscheide mich hier gerne für das Bioprodukt von Granarolo.

Aber was ist Ricotta überhaupt? Der Ricotta ist ein italienischer Frischkäse aus Molke, der in zwei Arbeitsschritten hergestellt wird. Im ersten Schritt wird der Molke ein Teil Milch oder Sahne zugegeben und erhitzt. Anschließend wird die so gewonnene Ricottamasse nochmals erwärmt (Ricotta bedeutet „nochmals gekoch“), damit sich die Flüssigkeit vom Käse trennen kann. Molke ist übrigens für seine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung bekannt.

Die gute Nachricht: Ricotta ist kalorienarm. Ob ihr es glaubt oder nicht, der Käse enthält durchschnittlich gerade einmal 8 Gramm Fett und 140 Kalorien pro 100 Gramm – damit gehört er zu den magersten Käsesorten Italiens! Meine Mutter wiederholt das ständig, um das Gewissen der Tischgäste nach der kulinarischen Ektase zu beruhigen.

Schokolade: Zartbitterschokolade ist hier ein Muss! Denkt daran, je höher der Kakaoanteil, desto besser. Ich selbst verwende vorzugsweise Bio-Schokolade von Marken wie Vivani, Rapunzel oder naturata.

Mandeln: Mandeln können ohne Schale gekauft werden, sollten aber selbst gehäutet werden, weil in der Industrie meistens chemische Mittel dafür eingesetzt werden. Dazu einfach die Mandeln kurz in kochendem Wasser blanchieren. So erhält man schnell und unkompliziert leckere Mandeln ohne Haut, die völlig unbedenklich verzehrt werden können.

Löffelbiskuits: Löffelbiskuits heißen auf Italienisch „Savoiardi“ und stammen aus der Region Savoyen. Die Löffelbiskuits, die auf dem Bild zu sehen sind, sind außerhalb Italiens relativ schwer aufzufinden. Vielleicht kann der Feinkostladen weiterhelfen. Alternativ können auch die Löffelbiskuits aus den Supermärkten verwendet werden.

Sind alle Zutaten beisammen, ist es kein Hexenwerk, den Partner, die Kinder, Freunde oder Verwandte mit diesem Meisterwerk der Signorina Rosa aus dem Jahr 1959 zu verwöhnen:

Zutaten:

500 g Ricotta

100 g Mandeln

100 g Zartbitterschokolade

100 g Kandierte Früchte (alternativ nur Zitronat)

100 g Butter

100 g Zucker

100 g Puderzucker

10 Löffelbiskuits

Zubereitung:

Die Butter, der Ricotta und den Zucker eine halbe Stunde lang verrühren (A.d.V. Die Signorina Rosa besaß zwar kein Handrührgerät, war aber im Gegenzug mit sehr viel Zeit gesegnet, einer halben Stunde, um drei Zutaten zu vermengen). Die fein geschnittenen kandierten Früchte, die gehackten und leicht gerösteten Mandeln sowie die Schokolade in Stücke hinzufügen.

Den Löffelbiskuit längs schneiden und in Likör tunken (in der Regel wird Anislikör verwendet, alternativ bietet sich leicht gezuckerter Espresso an). Den Löffelbiskuit nebeneinander in einer Form anordnen und die Ricotta-Masse darauf verteilen. Aus dem Puderzucker und dem Wasser eine leichte Glasur herstellen und die Torte damit überziehen. Im Kühlschrank einige Stunden ruhen lassen.

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Bald werde ich auch über eine weitere typische Süßspeise aus unserem Haus berichten…der Zuppa Inglese! Trete den anderen Italienfans bei und abonniere meinen Newsletter, um keinen Beitrag zu verpassen!

P.S. Soll ich Euch ein Geheimnis verraten? Die Ricotta-Torte ist eigentlich gar kein weihnachtlicher Nachtisch. Sie kann das ganze Jahr über zubereitet werden und ist besonders im Sommer beliebt, weil der Backofen ausbleiben kann. In der Weihnachtszeit bietet sich dieses Dessert nach dem großen Schlemmen als kalorienarmes i-Tüpfelchen hervorragend an.