Liebe Leserinnen und Leser,

wie ist es euch bisher ergangen? Was sagt die Waage und – was noch wichtiger ist – wie fühlt ihr euch?

Ich kann mich jedenfalls nicht beschweren. Meine Waage zeigt mir mittlerweile wieder mein Gewicht von Oktober an, vor all den Verlockungen der Vor-, Zwischen- und Nachweihnachtszeit.

Ich fühle mich wieder fit und habe fast immer die Energie, die ich brauche, um mich meinen Herausforderungen (oder neudeutsch „Challenges“) zu stellen.

Heißt das etwa, dass ich geschlagene zwei Monate asketisch Diät gehalten und mich nur von Kurkuma, Grünkohl und Goji-Beeren ernährt habe? – Nee, denn selbst wenn ich es wollte, ich könnte ich es nicht. Zwar habe ich versucht, mich gesünder und kalorienärmer zu ernähren, aber an „Ausrutschern“ hat es nicht gefehlt.

Wie ist es mir also gelungen, mit meiner Waage wieder ins Reine zu kommen? Die Ernährung allein kann es  nicht gewesen sein. In meinem ersten Artikel in dieser Serie habe ich schon erwähnt, wie wichtig Sport für mich ist. Und mit dem Beitrag von heute will ich euch gerne einmal zeigen, wie sich ein vielleicht doch eher schwieriges Verhältnis zu körperlicher Betätigung verbessern lässt.

Doch lasst uns davor noch einmal kurz zurückblicken – in die famosen 90er Jahre!

Caterina und der Sport – ein eher angespanntes Verhältnis

Als Kind wollte ich so gar keinen Sport treiben. Ich war etwas ungeschickt und eher unbeholfen, Rutschen jagten mir bis zum Alter von vier oder fünf Jahren eine ordentliche Angst ein. Oft genug wartete ich eine gefühlte Ewigkeit in der Schlange, nur um oben gleich wieder kehrt zu machen und die Leiter schnell wieder herunterzuklettern … unter dem Gemurre der anderen Kinder, an denen ich mich vorbei drängeln musste.

Radfahren lernen: Eine schwierige Geburt

Genauso „begeistert“ war ich dann auch von allen Spielen, bei denen man den anderen hinterherlaufen musste. Richtig rennen konnte ich nicht – ich würde „den Fuß nicht richtig aufsetzen“, sagten die Erwachsenen.

Auch das Schwimmen hinterließ bei mir traumatische Erinnerungen: In den Kursen im Schwimmbad mussten wir vom Beckenrand durch einen Plastikreifen ins Wasser springen – richtig gelesen, durch einen Reifen, wie die Tiger im Zirkus. Mir kam der immer ziemlich klein vor und natürlich gelang mir nie ein eleganter Köpfer. Stattdessen landete ich meistens mit dem Bauch voran im Wasser, zur Schadenfreude der anderen mitsamt Reifen.

„Vorfreude“ am Beckenrand (ja, ich bin das Kind mit dem Bierbauch)

Ihr glaubt, mit anderen Sportarten ist es mir besser ergangen …?

Ballsport in der Mannschaft? – Caterina läuft vor dem Ball weg.

Rollschuhlaufen? Ja, das schon. Aber die kleine Caterina bleibt immer schön an der Bande, man weiß ja nie. Und Bockspringen … bitte, lasst uns darüber lieber nicht reden!

Wie alle Kinder meiner Heimatregion, der Emilia, war ich das, was man einen „guter Esser“ nennt, und so durfte ich mich auch hie und da über ein paar Kilos zu viel freuen.

Meiner turbulenten Teenagerzeit verdanke ich zumindest, dass sich mein Verhältnis zum Sport deutlich verbesserte: Mir wurde klar, dass ich damit in Form bleiben und mich mit mir selbst und anderen messen kann … und dass ich dadurch zufriedener mit mir und der Welt bin.

Und so begann ich zu laufen, jeden Tag.

Mit 15 gewann ich den ersten einer Reihe von Wettläufen – unter den ungläubigen Blicken derer, die mich als Kind hatten „laufen“ sehen.

Wettlauf im Gymnasium

Was motiviert uns, Sport zu treiben?

Während des Studiums ging ich weiter ins Fitnessstudio und ich joggte regelmäßig. Dann, im Alter von etwa 25 Jahren, begannen meine Knieprobleme und mir wurde klar, dass ich nie eine großartige Läuferin werden würde. Trotzdem blieb ich beim Sport, denn darin finde ich den Ansporn, den ich brauche, um meine Komfortzone zu verlassen.

Poledance entdeckte ich 2018 für mich und kann bis heute nicht genug davon bekommen!

Was fasziniert mich also an diesem Sport und warum kann ich einfach nicht damit aufhören?

Meine Motivation kommt im Wesentlichen: 

  • aus meinem Wunsch, meine Unsicherheiten und Kindheitsängste zu überwinden: An der Stange muss ich mich gehen lassen können, denn wenn man sich nach hinten fallen lässt, muss man den eigenen Muskeln und seinem Training vertrauen
  • und Fitness nicht mehr nur als Selbstzweck zu erleben: Früher habe ich Crunches und Lifts gemacht, um in Form zu bleiben und um meine Figur zu verbessern. Aber weil diese Übungen so langweilig und repetitiv sind, verlor ich nach einer Weile die Motivation. Wenn sie aber Teil des Warm-ups und Konditionstrainings für meinen Lieblingssport Pole Dance sind, macht es mir gleich viel mehr Spaß und ich sehen einen Sinn darin
  • sowie dem Gefühl, mit dem eigenen Körper etwas Schönes zu schaffen, das überrascht und unterhält – die Anderen, aber vor allem mich selbst.
Quelle: Unsplash

Mehr über meine Leidenschaft für Poledance könnt ihr in dem Interview erfahren, das Marta Pagans mit mir für ihren Blog geführt hat: https://www.marta-pagans.com/journal/ausgleich-uebersetzerinnen

Und was ist mit Yoga?

Mir hat es jedenfalls sehr geholfen: um loszulassen, besser atmen zu lernen, meine Muskeln flexibler und stärker zu machen. Yoga hilft aber auch dabei, die eigene Leistung in anderen Sportarten zu verbessern. Einige Asanas eignen sich perfekt, um die Haltung an der Poledance-Stange zu verbessern oder die Muskeln nach einem Lauf zu lockern – und um nebenbei auch noch das Gewicht zu halten.

Denn Yoga sorgt auch dafür, dass man eine gewisse Selbstbeherrschung entwickelt, die unschätzbar ist, wenn es darum geht, dem stressbedingten nervösen Hunger die Stirn zu bieten.

Das Online-Angebot an Yoga-Kursen explodiert ja derzeit geradezu … warum also nicht die Gunst der Stunde nutzen, um euch schnell anzumelden?

Mein Tipp: Fordert euch selbst immer wieder heraus und wagt euch allmählich auch an anspruchsvollere Formen wie Ashtanga Yoga – das hilft dabei, irgendwann die berühmte Komfortzone zu verlassen.

Aber wie findet man mitten in einer Pandemie den Sport, der am besten zu einem passt?

Meiner Ansicht nach, sollte:

  1. die Sportart drinnen wie draußen ausgeübt werden können
  2. man die Möglichkeit haben, sich selbst herauszufordern und schrittweise die Leistung zu steigern
  3. man das Budget berücksichtigen: Hier stellt sich die Frage, ob die Ausrüstung und die Kosten für die Trainingsstunden es euch ermöglichen, mindestens ein- bis zweimal pro Woche zu trainieren. So musste ich mir eine Poledance-Stange kaufen und bei mir zuhause einbauen lassen (Kostenpunkt: etwa 300 €)
  4. der Sport ein gesundes Quäntchen an Wettbewerbsgeist wecken – und uns damit anspornen, uns vor allem mit uns selbst zu messen!
  5. der Sport uns Spaß machen und Befriedigung schenken. Denn sonst kämpfen wir ja nur jedes Mal mit unserem inneren Schweinehund – und wir wissen ja, wer dann meistens gewinnt.

Jetzt bin aber ich neugierig: Erzählt mir doch, mit welchem Sport ihr euch in diesen herausfordernden Zeiten fit haltet. Ich freue mich schon auf eure Kommentare!

Übersetzung ins Deutsche von Dragana Molnár