Mit dem Blogpost von heute beginne ich eine neue Artikelserie. Von nun an werde ich jeden Monat (oder fast jeden Monat) ein bekanntes italienisches Produkt vorstellen, das wir alle zu kennen glauben. Auf unserer kulinarischen Reise entlang des Stiefels lernt ihr Kurioses und Spannendes zur italienischen Kultur kennen. Mit diesem neu erworbenen Wissen könnt ihr dann nicht nur eure Kollegen, die ihr „beim kleinen Italiener an der Ecke“ trefft, sondern auch eure italienischen Geschäftspartner beeindrucken, die euer Interesse an ihrer Heimat sicherlich zu schätzen wissen.

Vielleicht überrascht es euch, dass ich für den Start meiner Serie ausgerechnet so etwas fast schon Triviales wie Pizza gewählt habe und nicht ein Produkt aus meiner Gegend, die zahlreiche Spezialitäten zu bieten hat – so viele, dass man nicht nur einen, sondern 10 Blogs mit Artikeln füllen könnte.

Für mich und meine Familie hat Pizza keine besondere Bedeutung und ich persönlich bin auch keine besonders gute Pizzabäckerin.

Warum schreibe ich also heute über Pizza? Wegen einer Nachricht, die mir kürzlich fast entgangen wäre:

echte neapolitanische Pizza

Bevor wir uns ansehen, warum die Unesco so entschieden hat, machen wir gemeinsam einen kleinen Ausflug in die Geschichte: Ihren Ursprung hat die klassische neapolitanische Pizza in den Armenvierteln von Neapel, wo sie zwischen dem 18. und 19. Jahrhunderts zum ersten Mal gebacken wurde. Ihr Siegeszug in Italien begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als der Küchenchef Raffaele Esposito zu Ehren der Königin Margarethe von Italien die „Pizza Margherita“ erfand und sie mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum – den Farben des neu gegründeten italienischen Königreichs – belegte. Die erste Pizzeria wurde 1738 in Neapel eröffnet und im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde die Pizza zum Symbol der italienischen Küche schlechthin. Im Laufe der Zeit entwickelten findige Pizzabäcker die unterschiedlichsten Beläge und Böden und heute gibt es unzählige Pizza-Sorten: dünn und knusprig, weich mit hohem Rand, mit oder ohne Tomaten – für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Mittlerweile wurde die Pizza in die ganze Welt exportiert und ist damit bei fast allen beliebt. Andererseits führte dies dazu, dass die Pizza als „Junk Food“ verschrien wird, da einige Fast-Food-Ketten für ihre Zubereitung oft schlechte Zutaten wie Margarine oder Ketchup verwenden, die nichts mit dem traditionellen Rezept zu tun haben. Eine nach dem Originalrezept zubereitete „echte“ neapolitanische Pizza (la pizza verace), ist zwar nicht wirklich kalorienarm, aber dafür ein gesundes und nahrhaftes Gericht.

Doch nun zurück zur Entscheidung der Unesco, die sie so begründet:

Wichtig für die Anerkennung war also das Wissen um die Kunst der Herstellung, das von Generation zu Generation weitergegeben wird – ein Handwerk also, mit dem unter anderem weniger privilegierte Kinder oftmals eine gute Arbeit finden und so nicht mehr zur Auswanderung gezwungen sind.

 

echte-neapolitanische pizza

Feiern wir also die Entscheidung der Unesco gemeinsam! Und wenn ihr das nächste Mal Neapel besucht, vergesst nicht, in der erste Pizzeria Italiens – die Pizzeria Port’Alba – eine Pizza Margherita zu essen.

 

Kuriose Fakten rund um die neapolitanische Pizza:

  1. Die erste Pizzeria in den USA wurde bereits 1905 in New York eröffnet, als Pizza in Italien noch wenig bekannt war.
  2. Jedes Jahr findet in Parma eine Pizza-Weltmeisterschaft statt, bei der Pizzabäcker aus aller Welt in verschiedenen Kategorien (der schnellste Pizzabäcker, die breiteste Pizza, glutenfreie Pizza usw.) gegeneinander antreten.
  3. Die älteste Pizza ist die Pizza Marinara. Ihre Zutaten sind: Tomaten, Knoblauch, Oregano und natives Olivenöl extra. Sie heißt „Marinara“, weil es die Pizza war, die die Fischer aßen, wenn sie in den Hafen zurückkehrten.
  4. Nur die „Pizza napoletana verace artigianale“, also die echte neapolitanische handgemachte Pizza, darf die Ursprungsbezeichnung der EU tragen und wird von der Europäischen Gemeinschaft als traditionelles italienisches Produkt anerkannt.
  5. Pizza wird [pitza] ausgesprochen – versucht wirklich, im Geist ein t mitzusprechen, so kann man am besten die beiden Zetts in Pizza hören. Und jetzt schön üben!
  6. Pizza Hawaii ist eine deutsche Erfindung und für die meisten Italiener reine Blasphemie.
  7. Büffelmozzarella aus Kampanien ist ebenfalls ein Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung und ist damit hochwertiger als normaler Büffelmozzarella.

 

Und zum Schluss ein kleines Pizza-Glossar:

Die Pizza-Sorten:

  • la pizza alta: Pizza mit einem hohen Rand
  • la pizza sottile: Pizza mit einem dünnen Boden
  • pizza al taglio: Pizza vom Blech (eine rechteckige Pizza, die zum Verkauf in Stücke geschnitten wird)
  • pizza al metro: Pizza am laufenden Meter (eine Pizza, die „meterweise“ verkauft wird)
  • pizza da asporto: Pizza zum Mitnehmen
  • pizza integrale: Vollkorn-Pizza (der Pizzateig wird aus Vollkornmehl hergestellt)
  • pizza senza glutine: glutenfreie Pizza
  • pizza stesa: Maxi-Pizza (mit einem dünn ausgerollten Boden)

 

Und hier ein paar der Zutaten für den Belag, die wir Italiener besonders gern auf unserer Pizza haben:

  • prosciutto = Schinken
  • peperoni = Paprika
  • olive verdi = grüne Oliven
  • olive nere = schwarze Oliven
  • carciofini = Artischockenherzen
  • pomodorini = Cherry-Tomaten
  • frutti di mare = Meeresfrüchte
  • salsiccia = Salsiccia (italienische Bratwurst, oft nur mit Salz, Pfeffer und Fenchelsamen gewürzt)
  • salamino piccante = scharfe Salami
  • acciughe = Sardellen
  • verdure grigliate = gegrilltes Gemüse
  • funghi = Pilze
  • patate = Kartoffeln
  • salmone = Lachs
  • erba cipollina = Schnittlauch
  • rucola = Rauke

Was ist eure Lieblingspizza? Esst ihr Pizza lieber im Restaurant oder zu Hause? Oder setzt ihr auf Tiefkühl-Pizzen (ich weiß, es gibt ein paar, die wirklich gut sind!)? Schreibt mir einen Kommentar!