Am 14.03. traf sich die Welt der Spa-Hotellerie online auf Zoom. Unter dem Motto „Wandel zum Wesentlichen“ diskutierten ca. 35 Teilnehmer:innen darüber, was Spa-Gäste wirklich brauchen und worauf man im Sinne der Nachhaltigkeit verzichten kann.

Neulich erzählte ich einer Kollegin, dass ich an den italienischen Texten für das Medical Spa eines bekannten Thermen-Hotels in Südtirol arbeite. Wie ich das mit meinem grünen Gewissen vereinbaren könne, fragte sie. Immerhin seien Spas alles andere als nachhaltig und fressen doch jede Menge Strom und andere Ressourcen. Und ja, ganz Unrecht hatte sie nicht.

Seit einigen Jahren verfolge ich jedoch, wie stark sich die Spa-Branche mit dem Thema Ressourcen-Optimierung beschäftigt und sich bemüht, ganzheitliches Wohlbefinden mit Nachhaltigkeit im ökologischen und sozialen Sinne zu vereinbaren.

Spa-Hotellerie – dekadenter Luxus?

Aber es stimmt schon, dass man Spa und Wellness grundsätzlich nicht mit Askese und Verzicht gleichsetzt, sondern ganz im Gegenteil: Man will sich ja auch mal was gönnen und verwöhnt werden. Warum sonst hat man sich in einem Spa-Hotel eingebucht?

Ja, früher mag das so gewesen sein, dass Spa-Hotels ihre Gäste durch dekadenten Luxus bestochen haben: reichhaltige Buffets mit 15 Kuchen und 12 Salaten (von denen die Hälfte weggeschmissen wurde), täglich frische Handtücher auf dem Zimmer, acht Pools, zehn Saunen, die Tag und Nacht beheizt und beleuchtet werden. Doch ist das noch zeitgemäß?. Das zunehmende Umweltbewusstsein der Gäste, gepaart mit den langfristigen Trends „Minimalismus“ und „Achtsamkeit“ haben die Branche zu einem Umdenken geführt. Oder?

Was ist das Wesentliche? Was braucht der Gast wirklich? Natürlich wurde beim SpaCamp Focus Day keine eindeutige Antwort auf die Frage gefunden. Doch an Impulsen und Anregungen, wie man sich dem Thema nähern kann, mangelte es nicht.

Entspannung in Zeiten von Corona

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Bild von Ron Lach auf Pexels

Laut Diana Fritsch, vom „Mental-Spa Fritsch am Berg“ sind Sicherheit, Abstand und Hygiene, zwar ganz wichtige, aber nicht die einzigen Bedürfnisse eines Gastes nach zwei Jahren Pandemie. Homeschooling und die schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben viele Beziehungen ans Limit gebracht. Paare sehnen sich nach Quality-Time miteinander – wie wäre es also zum Beispiel mit Angeboten zur Kinderbetreuung?

In turbulenten Zeiten wie diesen, ist das „Wesentliche“ laut Michaela Thaler – Geschäftsführerin der Best Alpine Wellness Hotels  – das Vorhandensein von Raum und Zeit; Zeit zum Entspannen und den Raum, um Gedanken schweifen zu lassen. Das kann durch eine exzessive „Qual der Wahl“ und unübersichtliche Angebote erschwert werden.

Alles nur Luxusprobleme?

Aus eigener Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Da ich mir nur selten reine Wellness-Urlaube gönne und oftmals den Aufenthalt in einem Spa-Hotel mit einem City- oder Business-Trip kombiniere, überkommt mich am ersten Tag oft die Panik: Ich muss doch die vielen tollen Angebote ausnutzen. Das heißt, ich muss um fünf Uhr morgens aufstehen, schnell ein paar entspannte Bahnen im Pool ziehen, um ungestört zu sein. Dann schnell hoch aufs Zimmer (mit Ausblick!), um den Sonnenaufgang vor traumhafter Bergkulisse zu genießen. Dann ab zum Buffet, an dem mich 17 Desserts verführerisch anlachen. Aber nein, ich bleibe beim Wesentlichen plus Kaffee aus dem vollautomatisierten Automaten (mit Sojamilch? Hafermilch? Reismilch?). Aber das Netzwerken auch nicht vergessen! Vielleicht geht das ja auch in der Sauna, denn heute gießt der Saunaweltmeister auf. Und sowieso: Ich muss irgendwie alle Saunen ausprobieren an zwei Tagen. Und ich muss auch unbedingt noch ein Vollbad genießen in der überdimensionierten Badewanne im Zimmer. Uff…klingt entspannt, oder?  

Weniger ist mehr: Effizienter Entspannen

Nele Winkler, junge und engagierte Managerin im HAFFHUS Hotel & Spa präsentierte einige bewährte Maßnahmen, um Energie– und Wasserverbrauch, Emissionen aber auch Kosten zu reduzieren, ohne dabei den Anspruch der Gäste zu beschneiden Hier ein paar Ideen und Stichworte aus ihrem Impulsvortrag:

  • autarke Stromversorgung aus regenerativen Energieträgern
  • Salzwasserpool als Wärmespeicher
  • Intelligente Wasserwirtschaft und intelligente Steuerung.
  • Licht wird nur angemacht, wenn jemand in der Sauna ist.
  • nachhaltige Badetextilien
  • Automatisierung im Wellnessbereich: Die finnische Sauna wird auf Knopfdruck beheizt, wenn jemand da ist und ist nur sechs Stunden pro Tag zugänglich
  • Wellness-interne Wäscherei – die Wäsche kann geplant werden, wenn die Sonne scheint

Mehr dazu auf der Haffhus-Website.

Am besten kommen diese Maßnahmen an, wenn man den Gast mit einbezieht: zum Beispiel mit einer sympathischen Benachrichtigung auf dem Zimmer-Tablet, dass die Sauna gerade geöffnet und betriebsbereit ist.

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Foto von Jonathan Borba aus Pexels

Für die Ewigkeit gebaut? Eine Stimme aus der Architektur

Laut René Pier, Innenarchitekt aus Stuttgart, besteht die Herausforderung darin, nachhaltige Entwicklung mit Wohlbefinden im Einklang zu bringen. Die Frage lautet: Wie schaffen wir es, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden auf eine Stufe zu bringen? Wie können wir wohlhabende Gäste vom „Wohlstand“ zu „Wohlsein“ überführen, ohne dabei auf Nachhaltigkeit zu verzichten? Denn nicht alles, was das Wohlsein fördert, ist automatisch nachhaltig (man denke zum Beispiel an Avocado oder Palmöl).

In der Architektur heißt das u.a., keinen kurzlebigen Trends hinterherzulaufen, die in fünf Jahren eh wieder verschwunden sind. Stattdessen setzt man auf langfristige Trends wie Minimalismus und Achtsamkeit. Hierzu gehört auch das Konzept der „Healing Architecture“, die das Wohlbefinden der Gäste aber auch der Mitarbeiter ganzheitlich fördert.

Wir müssen reden

Wie schon oben angedeutet, sollten die Maßnahmen auch nach außen getragen werden, nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“, um die Gäste zu informieren und zu inspirieren. Ganz wichtig ist hier das Framing: Es geht nicht darum, dass man den Gästen etwas wegnimmt, das Angebot verkleinert oder gar ein schlechtes Gewissen machen möchte. Vielmehr geht es darum, Energie effizienter zu nutzen und den Gästen mehr Freiheiten zu gewähren, selbst zu entscheiden, welchen Luxus sie sich gönnen. Idealerweise sollte für jede Reduzierung ein „Ersatz“ oder „Anreiz“ angeboten werden. So pflanzt das Hotel beispielsweise einen Baum, wenn Du auf Deine Zimmerreinigung verzichtest.

Wichtig ist also, den Fokus auf das zu legen, was man hat und nicht auf das, was fehlt. Wenn mein Hotel keinen Pool hat, jedoch Kräuterwanderungen anbietet, könnte ich zusammen mit dem Nachbarhotel arbeiten, das zwar mehrere Pools hat, aber keine Kräuterexpert:innen im Haus.

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, neben den Gästen auch die Mitarbeiter:innen mit einzubeziehen. Hier können gezielte Weiterbildungen helfen.

Last but not least: Die Naturkosmetik

In der SpaCamp-Community sind auch viele Vertreter:innen erstklassiger Naturkosmetik-Marken vertreten. Auch bei diesem Focus Day gab es Anregungen, wie die Synergien zwischen Spa-Hotels und Naturkosmetik genutzt werden könnten. Denn der Gast, der einen Wellness-Urlaub bucht, hat oft Zeit zum Verweilen und könnte diese u.a. dazu nutzen im Spabereich nach Kosmetika zu stöbern. Hier bietet sich also die Gelegenheit, gezielt Marken zu bewerben, die sowohl seinen Hautbedürfnissen als auch seinen Werten gerecht werden.

Mein Angebot für Spa-Profis

Ist Dein Hotel oder Spa international tätig? Vergiss nicht, dein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit auch an Deine ausländischen Gäste zu kommunizieren! Gerne berate ich Dich dazu, was das Wesentliche für Deine internationalen Gäste sein könnte und erstelle für Dich fremdsprachige Texte, die begeistern.

Zusammen tragen wir den Wandel zum Wesentlichen auf eine globalere Ebene! 

Lies auch folgende Rückblick-Blogbeiträge zu den SpaCamps:

  • SpaCamp 2021: Grenzenloser Mut
  • SpaCamp Focus Day: Wie Luxus nachhaltig wird
  • SpaCamp 2020 online – Nachhaltige Impulse aus der Spa- und Tourismus-Branche
  • Tone of Voice im Hotel: Internationale Spa-Gäste durch die richtige Kommunikation berühren

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