Beim Online SpaCamp Focus Day am 22. März tauschten sich Spa-Hotelliers und Wellness-ExpertInnen über das Thema „Luxus und Nachhaltigkeit – wie gelingt die Symbiose?“ aus. Ich war als Übersetzerin für die Spa- und Naturkosmetik-Branche vertreten und durfte einen besonderen Tag erleben.

Kann man gleichzeitig Heim- und Fernweh haben? Sich nach Geborgenheit und zugleich nach Abenteuer sehnen? Dankbar für die Üppigkeit des Lebens sein, sich aber zugleich mehr Einfachheit wünschen? Seit letztem Montag halte ich das alles für möglich. Denn beim ersten SpaCamp Focus Day 2021 (auf Zoom) ging es genau darum: Sich mutig den Widersprüchen zu stellen. Zu zeigen, wie Regionalität und Internationalität, Luxus und Nachhaltigkeit, Comfort und Einfachheit Hand in Hand gehen können. Und wie eine Branche, die man nicht direkt mit nachhaltigem Handeln verbinden würde, doch sehr viel tun kann, um das Bewusstsein für Umweltschutz und Ressourcenschonung in der Öffentlichkeit zu schärfen.

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Foto: SpaCamp Focus Day; Quelle: spacamp.net/focusday-2021/

Neuer Luxus

Dass sich die Definition von Luxus in der Pandemie geändert hat, hatte ich bereits in meinem Rückblick-Blogbeitrag zum SpaCamp im November berichtet. Und dass ein “Back to normal” nicht mehr wünschenswert ist, hören wir mittlerweile an jeder Ecke. Dies stellt jedoch die Spa-Hotellerie vor eine besondere Herausforderung, denn Wellnessurlaub und Verzicht gehen nicht gut zusammen. Wer einen Urlaub im 5-Sterne-Hotel bucht, erwartet ein gewisses Maß an Komfort.

Wer sagt denn, dass ökologische Maßnahmen zwingend diesen Komfort mindern müssen? Und dass sie, langfristig gesehen, teurer sein müssen? Michael Stober, Inhaber des Landguts Stober (Austragungsort des NaturkosmetikCamps 2018), erzählte, wie es seinem Haus gelungen ist, durch Investitionen in Energieeffizienz – unter anderem Umstellung auf LED-Beleuchtung – schon nach wenigen Jahren Ersparnisse zu erzielen und beim Strom autark zu werden. Aber alles der Reihe nach.

Nachhaltige Spa-Hotels stellen sich vor

Hotel Pfösl in Südtirol

Der Vormittag wurde Best-Practice-Beispielen aus der Welt der gehobenen Spa-Hotellerie gewidmet. Familie Zelger-Mahlknecht vom Hotel Pfösl in Südtirol machte den Auftakt – mit Bildern, die in mir Fern- und zugleich Heimweh weckten. Heimweh, weil ich an den Urlaub in den Dolomiten in meiner Kindheit denken musste. Fernweh, weil ich gerne wieder an so einen Ort reisen möchte. Das Hotel hat es sich auf die Fahne geschrieben, eine Vorbildfunktion im Alpentourismus einzunehmen. Zum Beispiel durch diese Maßnahmen:

  • nachhaltiges Buffet mit lokalen Produkten, saisonalem (kein Blattsalat im Winter!) und fermentiertem Gemüse aus dem eigenen Garten
  • Strom aus erneuerbaren Energien
  • Sauna mit Blick auf die umliegenden Dolomiten. Dabei wurde die alte Sauna nicht niedergerissen, sondern umgebaut 
  • Nachhaltigkeit als gelebte soziale Verantwortung: MitarbeiterInnen wird die Vereinbarkeit von Leben und Beruf leicht gemacht. Kostenlose Yogakurse bekommen sie auch!  

Ziel ist es, dem Gast einen ganzheitlichen und nachhaltigen Aufenthalt (auch im Sinne von langeanhaltender Urlaubswirkung) zu bieten.

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Foto: Screenshot aus einer Session, Quelle: spacamp.net/focusday-2021/

Naturresort Schindelbruch

Bei diesem Hotel wird die Verantwortung für die umliegende Umwelt gelebt. Einige Maßnahmen:

  • Wasserversorgung aus eigener Quelle, Wasser-Aufbereitungsanlage
  • Stichproben über die Qualität der Müllsortierung (wie genial ist das denn?)
  • Verwendung der Kosmetikprodukte von Pharmos Natur Green Luxury (ebenfalls beim SpaCamp Focus Day vertreten) für die Spa-Behandlungen
  • Einsatz von Aloe Vera als Kosmetikprodukt und Lebensmittel
  • Einsatz neuer, nachhaltiger Baumaterialien beim Umbau

Das alles schmälert das Aufenthaltserlebnis und -vergnügen kein bisschen – im Gegenteil!”

Posthotel Achenkirch

Im dritten Impulsvortrag zeigten Georg Aurbacher vom Posthotel Achenkirch und Gregory Endres von Fokus Zukunft, wie ein Hotelbetrieb durch Kompensation des CO2-Ausstoßes klimaneutral werden kann. Denn Emissionsfreiheit ist für viele Hotelbetriebe noch eher utopisch. Wichtig ist aber, dass der Betrieb parallel zur Kompensation auch CO2-Einsparungen bewerkstelligt, sonst ist das tatsächlich alles nur ein Ablasshandel.

Dazu ist es sinnvoll, die Maßnahmen in Bereiche aufzuteilen: zum Beispiel Buffet und Küche, Kosmetik und Reinigungsmittel, Anreise (der Mitarbeiter*innen) und Mobilität. In all diesen Kategorien geht das Posthotel Achenkirch – Mitglied der Allianz für Entwicklung und Klima – mit gutem Beispiel voran.

Mehr über das Thema Kompensation und die Allianz für Entwicklung und Klima erfahrt Ihr in meinem Interview mit Sarah King.

Wie bereits im Rückblick-Blogbeitrag zum SpaCamp 2020 erwähnt, steht und fällt das alles mit der richtigen Kommunikation. Nicht nur die Gäste sollten (am besten in der eigenen Sprache) mit diesen Maßnahmen abgeholt werden, sondern auch die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Das Engagement in Punkto Nachhaltigkeit sollte vom ganzen Team gelebt werden.

Foto: Screenshot aus der Session von Gregory Endres

Die Sessions

Hier meine Haupt-Learnings aus den Sessions, die ich als Mindmapperin* betreut habe:

(*Was heißt denn Mindmapperin? Das erkläre ich Euch in meinem Blogbeitrag über das NaturkosmetikCamp 2018)

Luxus und Nachhaltigkeit im SPA-Design | Hildegard Dorn-Petersen

In dieser Session wurde besprochen, was im Moment bei der Planung von Spa-Bereichen als Selbstverständlichkeit von den Gästen erwartet und was als Störfaktor wahrgenommen wird – und was als Best Practice gilt. Zu Letzterem gehört zum Beispiel ein hochwertiges architektonisches Konzept, das auf Naturmaterialien setzt und die umliegende Natur mit einbezieht. Es wurden aber auch ganz konkret Tipps ausgetauscht, um den Einsatz von Verbrauchsmaterialien (wie Textilwäsche) nachhaltiger zu gestalten.

Regionalität um jeden Preis?  | Birgit Corall, cobicos

Auf diese Session hatte ich mich sehr gefreut. Denn schon öfter habe ich mir als Expertin für internationale Kommunikation die Frage gestellt, ob und wann Internationalität und Nachhaltigkeit in Konflikt stehen können.

In der Session ging es darum, wann Regionalität ein Mehrwert sein kann und wann es sich stattdessen lohnt, auf Import/Export zu setzen. Zum Beispiel, um eine nachhaltigere und faire Produktion in Entwicklungsländern zu unterstützen und die Wirkung von Pflanzen zu nutzen, die hierzulande nicht wachsen.

Green Luxury – Luxus im Bewusstseinswandel | Gabriele Pölt, Pharmos Natur

Diese Session hat mich im wahrsten Sinne des Wortes berührt. Denn es ging ja einerseits buchstäblich um die „Kunst der Berührung” bei Spa-Behandlungen, wonach sich die Gäste im Moment sehnen. Andererseits aber auch darum, wie Spa-Hotels ihre Gäste berühren – im Sinne von Inspirieren – und für nachhaltiges Handeln begeistern können.

Warst Du auch dabei und möchtest mehr über die Sessions erfahren, die Du verpasst hast?

Dann schaue Dir die Mindmaps an, die Jeannine Hermann und meine Wenigkeit liebevoll für Dich erstellt haben. Die Zugangsdaten findest Du in der Mail des Orga-Teams vom 25.3. 

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Quelle: Unsplash

Möchtest Du internationale Gäste für Dein Spa-Hotel begeistern? Oder durch gezielte Kommunikation die Gäste anziehen, die zu Deinem Haus passen? Erfahre mehr über mein Angebot für die Spa-Hotellerie in diesem Artikel.

Oder schreibe mir direkt eine Mail an dialog@saccani-translations.com