In Teil I – Dos and Don’ts hatte ich Dir Denkanstöße für die Planung inklusive Kulinarik gegeben. Heute möchte ich eher darauf eingehen, wie italienische Gäste auf Business-Events – wie Händlertagungen, Vertriebsschulungen oder Kick-off-Veranstaltungen – angesprochen werden können, wollen oder dürfen.

Anschließend möchte ich auch den Elefanten im Raum ansprechen: Wie spricht man mit den Gästen, wenn darunter eine große italienische Gruppe ist? Müssen alle auf der Bühne Englisch reden? Soll ein professionell ausgebildetes Dolmetschteam eingebunden werden? Inzwischen gibt es doch bestimmt KI-Lösungen dafür, die „gar nicht so schlecht“ sind?

Langweilig wird es heute nicht, versprochen.

Ansprache: Passt das Arbeits-Du?

Wenn das Unternehmen eine „Du“-Kultur hat und seine B2B-Partner auch in der schriftlichen Kommunikation – z. B. in Newslettern, Magazinen oder Fachblogs – duzt, sehe ich keinen Grund dafür, das im Rahmen des Events anders zu handhaben. Wenn Du über mich ein professionelles Dolmetschteam buchst, werde ich Dich bitten, mir ein kurzes Briefing zu schicken, das den Tone of Voice des Unternehmens skizziert und folgende Fragen zum Event beantwortet: Wen wollen wir wie und mit welchem Ziel ansprechen?

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Quelle: Canva AI

Doch was ist mit den Gesprächen, die abseits der Bühne stattfinden – während der Pausen und in den Breakout-Rooms? Wenn Du Dir unsicher bist, ob jemand doch nicht lieber gesiezt werden möchte, kannst Du genauso wie im deutschsprachigen Raum das „Du“ proaktiv anbieten. Dann fragst Du in der Espresso-Schlange einfach „Ci diamo del tu?“ oder die Dolmetscher:innen übernehmen das für Dich: In meiner Karriere habe ich bisher noch nie erlebt, dass Italiener:innen pikiert darauf reagierten – im Gegenteil. Meist sind sie eher erleichtert. 

Noch einen Tacken informeller: Spitznamen

Ein anderes Phänomen, dass Dich irritieren könnte, ist, dass Italiener:innen Vornamen oft abkürzen. Ja, auch im Business-Kontext und auch bei Vorgesetzten! Eine fundierte Begründung dafür habe ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass viele Vornamen ziemlich lang sind: Massimiliano, Federica, Alessandro, Eleonora. Es könnte sich so anfühlen, als würde mit jeder Silbe, die man ausspricht, die Distanz wachsen. Daher werden oft (auch ohne offizielle Erlaubnis) Massi, Fede, Ale, Ele daraus.

Wenn Du jemanden inzwischen gut kennst, darfst Du seinen „etablierten Spitznamen“ ruhig auch verwenden. Das macht Dich sympathischer, stärkt die Beziehung … und spart übrigens auch Zeit!

Doch lieber förmlicher? Berufstitel

Natürlich gibt es Situationen, in denen man förmlicher miteinander umgeht. Bei Events für ein konservativeres Publikum, wie zum Beispiel medizinische Kongresse oder juristische Symposien, wird eher gesiezt.

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Wenn Italiener:innen dabei sind, würde ich hier einen Schritt weitergehen und die Berufstitel der Personen in der (An-)Moderation miterwähnen. Auch in persönlichen Gesprächen wird sich Herr Rechtsanwalt Mario Rossi freuen, wenn er Avvocato und nicht nur „Signor Rossi“ genannt wird. Das gilt auch für Ingegnere und Architetto.

Wie und ob diese Berufsbezeichnungen in Italien gegendert werden, hängt sehr von persönlichen Vorlieben ab. Ich stelle immer wieder fest, dass Architektinnen, Anwältinnen oder Ingenieurinnen die männliche bzw. neutrale Form bevorzugen. Als Dolmetscherin oder Team-Mitglied habe ich im Zweifelsfall dennoch keine Scheu, die Person direkt zu fragen.

Was deutschsprachige Veranstalter auch gewaltig irritieren dürfte: In Italien darf sich jeder, der ein Studium abgeschlossen hat (ja, auch einen Bachelor!), Dottore/Dottoressa nennen. Aber mach Dir bitte keine Sorgen. Wenn ich als Teil Deines Teams vor Ort dabei bin, gehst du Fettnäpfchen aus dem Weg. Und ansonsten machen wir das mit der richtigen Portion Sympathie wieder gut.

Sprache: Wie erreicht man ein italienisches Publikum?  

Auf der Website einer Konferenzdolmetscherin für Deutsch-Italienisch erwartet man an dieser Stelle nichts als Eigenwerbung. Da ich mich nebenbei als Eventmanagerin fortbilde, verstehe ich inzwischen auch die andere Seite. Daher möchte ich Dir helfen, eine bewusste Entscheidung zu treffen. Mit sachlichen und pragmatischen Argumenten – die Du auch an Deinen Kunden weitergeben kannst.

Bevor wir uns – gerne im Call – die verschiedenen Möglichkeiten für Dein Event anschauen, möchte ich Dir eine zentrale Frage stellen:

Wie wichtig ist es für das Ziel Deines Events, dass

  • die Gäste die Kernbotschaften genau verstehen UND
  • sich ungeniert mit eigenen Fragen und Antworten einbringen können?

Das sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn wir die Möglichkeiten besprechen.

KI-Lösung, die ins Italienische übersetzt
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Klingt oft verlockend, weil zeitgemäß und auf den ersten Blick günstiger und niedrigschwelliger. 

Doch wichtig ist zu wissen, dass KI-Lösungen immer einen Zwischenschritt beinhalten: Die Redebeiträge werden zuerst verschriftlicht und dann oft ziemlich buchstäblich ins Italienische übertragen. (Übertragen, nicht gedolmetscht. Dolmetschen ist mehr als die Übertragung einzelner Begriffe in eine andere Sprache und das können bis dato nur Menschen). Wenn Du auf einem Event die KI-Übersetzung in der gewünschten Sprache hörst, liest diese einen zuerst schriftlich übersetzten Text vor.

Um die Qualität und vor allem die Wirkung eines italienischen KI-Textes prüfen zu können, musst Du verdammt gut Italienisch können. Punkt.

Oft höre ich, dass eine KI-Lösung die einzige ist, die „ins Budget passt“. Das mag sein.

Aber kann sich der Veranstalter leisten, die Eventziele zu verfehlen, wenn bei emotionalen und bildlichen Beiträgen die Botschaft nicht rüberkommt?

Weil das Thema KI sich ständig wandelt, würde ich Dir aber Folgendes raten: Bleib über Entwicklungen auf dem Laufenden und richte den Blick auch mal nach innen. Wie kommst Du mit der KI-Übersetzung in die gewünschte Sprache klar, wenn Du auf Events im Ausland bist? Wie wirkt sie auf Dich?

Englisch als Lingua Franca

Wenn neben Italien auch andere Länder vertreten sind, liegt es nahe, alles auf Englisch zu machen – in der Hoffnung, sich die Gratwanderung bei der Suche nach einer KI-Lösung zu ersparen und internationaler zu wirken. 

Doch oft passiert bei italienischen Gästen genau das, was man unbedingt vermeiden wollte: Die Gäste kommen mit den Witzen, Metaphern und Nuancen auf Englisch nicht so richtig klar und schalten dann doch eine Übersetzungsapp auf dem eigenen Gerät ein. Die Blicke wandern weg vom Geschehen und auf die Handys.

Im interaktiven Teil trauen sich nur die, die selbstbewusst Englisch sprechen, den Mund aufzumachen.

Und wie viel „inklusives Erlebnis“ ist dann noch drin?

(Das war die letzte nervige rhetorische Frage, versprochen!).

Professionelles Dolmetschteam

Über den Mehrwert eines professionell geschulten Dolmetschteams könnte ich Bücher schreiben. Vielleicht ist Deine Geduld für heute aber schon am Ende.

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Daher hier nur zwei sehr pragmatische Überlegungen und der Rest persönlich im Call:

  1. Wenn Du ein professionelles Team für Deutsch-Italienisch (und die anderen gewünschten Sprachen) buchst, hält sich das Team den ganzen Tag für Dein Event frei. Es steht Dir auf Wunsch für alle Programmpunkte zur Verfügung. Ja, auch für den interaktiven Teil in den Breakout-Rooms, nicht nur auf der Hauptbühne.
  2. Du kannst die besten (oder die günstigsten!) Speaker:innen für Dein Thema buchen. Nicht unbedingt diejenigen, die am besten Englisch sprechen oder so farblos vortragen (kaum Humor, kein Lokalkolorit), dass die KI damit klarkommt.

Ja, menschliche Dolmetscher:innen kommen mit Lokalkolorit und Humor klar, wenn sie entsprechend gebrieft werden. 

Kontroverses Angebot:

Ich möchte mit Dir ins Gespräch kommen, auch wenn Du Dich schon gegen ein menschliches Team bzw. für die KI oder eine Lingua Franca entschieden hast.

Denn ich verstehe, dass Dir als Planer:in manchmal die Hände gebunden sind.

In einem kostenfreien Call gebe ich Dir Tipps, wie Du Deine Veranstaltung trotzdem menschlicher gestalten kannst. Und vielleicht ein paar Killer-Argumente für die menschliche Lösung.

Oder wir quatschen nächste Woche auf der IMEX darüber.

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