Ausgangsbeschränkungen, keine Flugzeuge heben ab, Grenzen dicht – Das Coronavirus hält unseren Alltag in Schach. Ans Reisen war nicht zu denken. Mittlerweile scheint sich die Situation zu lockern (mit Betonung auf „scheint“), doch bis wir wieder entspannt verreisen können, wird wohl noch eine Zeit vergehen.

Gedankenreise ans Mittelmeer

Umso wichtiger ist es, mental zu verreisen. Ich möchte euch dazu einladen, die geistigen Koffer zu packen und gedanklich an einen Ort zu reisen, an dem ich schon einmal wart und jetzt gerne sein würdet. In meinem Fall handelt es sich um das andalusische Granada, also im Süden von Spanien. Hier verbrachte ich 2014 und 2015 mein Erasmus-Auslandsjahr sowie einige Zeit davor sowie danach. Und spätestens in dieser Zeit verliebte ich mich in die Stadt und Region.

Zunächst denke ich an den Anflug auf das an der Mittelmeerküste gelegene Málaga, wo ich nach Verlassen des Flughafengebäudes wieder andalusische Seeluft schnupper. Anschließend die Busfahrt nach Granada. Ich sehe förmlich vor meinem geistigen Auge, wie ich mich der Sierra Nevada näher. Natürlich denke ich an all die Orte, Plätze, Gebäude, Menschen, Geräusche, Düfte und Stimmen. Aber in erster Linie ans Essen. In meinem Leben spielt die Kulinarik zwar eine besondere Rolle, aber ihr müsst zugeben: Ihr denkt früher oder später auch an gewisse Gerichte, Düfte oder Lebensmittel, die ihr mit dem gedanklichen Reiseziel verbindet, oder?

Foto: Pixabay

Es gibt nichts Traurigeres im Leben, als keinen Geschmackssinn in Granada zu haben.

Dieses Zitat lautet im Original „Es gibt nichts Traurigeres im Leben, als blind in Granada zu sein“ („No hay en la vida nada como la pena de ser ciego en Granada“). Beides stimmt. Meinen Tag beginne ich mit einem kleinen Kaffee mit Milch (cortado) und einem getoasteten Weißbrot mit Tomatenabrieb, Olivenöl und Salz auf einem zentralen Platz in der Innenstadt Granadas. Die frische Morgenluft vermischt sich mit dem Duft der Reinigungsmittel, mit denen die Café-Betreiber und die städtischen Reinigungsbetriebe das Stadtbild auf Vordermann bringen. Dieses Duftgemisch liegt mir noch immer in der Nase. Dazu singen die vielen Vögelchen in den Baumwipfeln auf dem Platz. Mehr braucht es nicht, um glücklich zu sein.

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Mit meiner Zeit in Granada verbinde ich außerdem die zahlreichen Obst– und Gemüsehändler mit ihren frischen und schmackhaften Produkten, die nicht unbedingt der EU-Norm entsprechen und auch nicht entsprechen müssen. Neben den saftigen Tomaten, Gurken, Salaten, Zitronen, Orangen, Melonen … gibt es einen kurzen Plausch gratis dazu. Hier besorgte ich mir meine (fast) tägliche Ration an leckeren Avocados und Mangos, die lokal an der costa tropical angebaut werden und weniger als ein Euro das Stück kosten.

Ich denke aber auch an das kühle Bierchen und die kleinen Tapas vor, zwischen oder nach den Uni-Kursen. Auch den Innenhof des Fachbereichs für Übersetzen und Dolmetschen mit seinen zahlreichen Orangenbäumen ist mir in perfekter Erinnerung geblieben. Am Nachmittag gibt es süße churros con chocolate, abends wieder eine Tapas-Runde mit Oliven, Käse, Schinken, verschiedenen Häppchen, Fisch, Fleisch und allem, was das Herz begehrt. Ihr seht, Essen ist ein zentraler Bestandteil meines Lebens. Na, habt ihr jetzt auch Lust mich auf einer Reise nach Andalusien zu begleiten?

Mein Fernweh-Food: salmorejo cordobés

Ich hoffe, dass wir bald wieder an unsere Lieblingsorte reisen und neue Destinationen entdecken können. Bis dahin müssen wir uns mit den mentalen Reisen und dem Fernweh-Food zufriedengeben. Mein Fernweh-Food, also ein Gericht, das mich wieder nach Andalusien versetzt, ist salmorejo cordobés. Gazpacho kennt jeder, doch salmorejo ist mein Geheimtipp. Diese kalte Tomatensuppe stammt zwar ursprünglich aus Cordoba, doch sobald an meinem heimischen Esstisch in Neustadt an der Weinstraße ein Löffel salmorejo meine Lippen berührt, sitze ich wieder auf der Terrasse eines kleinen Restaurants in Granada bei strahlendem Sonnenschein und 30 Grad Lufttemperatur. Diese dickflüssige Suppe vereint alles, was Andalusien zu bieten hat: saftige Tomaten, kräftiges Olivenöl, gutes Weißbrot, scharfer Knoblauch, frische Freilandeier und intensiver Serrano-Schicken – perfekt für den Sommer. Solange wir dieses einfache, aber leckere, Gericht nicht in Andalusien verkosten können, verrate ich euch mein Rezept:

Bild von Javier Lastras (https://www.flickr.com/photos/jlastras/)

Rezept: salmorejo cordobés

Zutaten

  • 1 kg frische Tomaten
  • 200 g Weißbrot
  • 1 Knoblauchzehe
  • 10g Salz
  • 150 ml Olivenöl

Zubereitung

  1. Die Tomaten gut säubern und vierteln, in eine große Schüssel geben und mit dem Stabmixer pürieren, bis eine flüssige Sauce entsteht.
  2. Die Masse durch ein Sieb passieren, um die kleinen Kerne und Hautreste zu entfernen.
  3. Das Brot kleinschneiden und der Tomatencreme hinzufügen. Anschließend 10 Minuten stehen lassen, damit es sich mit den Tomaten vollsaugt.
  4. Knoblauch schälen und kleinhacken. Tipp: Vor dem Kleinhacken den Knoblauchkern entfernen. Dadurch stößt man später weniger auf. 
  5. Knoblauch zur Tomaten-Brot-Masse hinzufügen.
  6. Olivenöl und Salz hinzufügen.
  7. Die heterogene Masse nun mit dem Stabmixer pürieren und mehrere Stunden kaltstellen.
  8. Vor dem Servieren hart gekochte Eier und Serrano-Schinken kleinschneiden. Sie schmeckt natürlich auch ohne Eier und Schinken – dadurch wird die Suppe sogar vegan.
  9. Die kalte Tomatensuppe in einer kleinen Schüssel servieren und mit Ei, Serrano-Schinken und einem Schuss Olivenöl garnieren.

¡Qué aproveche y buen viaje! Guten Appetit und gute Reise! 

Zum Autor:

Thomas Baumgart ist Fachübersetzer (B.A.) und Konferenzdolmetscher (M.A.) für Deutsch, Spanisch und Polnisch. Seine Spezialgebiete sind Industrie, Technik, IT, Landwirtschaft und Ernährung.

Mehr dazu auf seiner Website: https://thomasbaumgart.eu/