An meinen letzten Artikel anknüpfend, der grüne und faire Mode zum Thema hat, möchte ich mich heute mit Mikroplastik in der Kosmetik und in Reinigungsmitteln beschäftigen.

Mikroplastik

Diesen Post habe ich schon seit September 2018 in Planung, als Italien eine Richtlinie verabschiedete, mit der ab dem 1. Januar 2020 Mikrokunststoffe in Kosmetikprodukten verboten werden. Damit setzt sich das Land an die Spitze beim Kampf gegen den so genannten marine litter: die Ansammlung von Plastikmüll in den Meeren. 

In der Presse und in der Blogosphäre wird den deutlich sichtbaren Plastikansammlungen auf der Wasseroberfläche auch dank zahlreicher Fotografien viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber vielleicht wird immer noch nicht genug über einen unsichtbaren Aspekt von Kunstoffen im Meer gesprochen: Mikropartikel, die die Lebensprozesse mariner Ökosysteme beeinflussen, von Fischen aufgenommen und für uns nicht wahrnehmbar in Form von giftigen Verbindungen auf unseren Teller zurückkehren und unsere Gesundheit bedrohen.

Was ist Mikroplastik?

Unter Mikroplastik versteht man Kunststoffpartikel, vor allem aus Polyethylen, mit einem Durchmesser zwischen 330 Mikrometern und 5 Millimetern. Sie stellen den größten Teil des Kunststoffs dar, der die Ozeane erstickt.

Warum ist Mikroplastik so gefährlich?

Die Kunststoffpartikel sind so klein, dass sie von allen Meeresbewohnern – auch vom Plankton und wirbellosen Meerestieren – leicht aufgenommen werden und dann in den Mägen großer Fische wie Haien und Walen landen. Es besteht auch die begründete Befürchtung, dass Mikroplastik die Ökosysteme der Meere schädigt, in etwa indem die Partikel Algen bei der Photosynthese behindern. Daher müssen die Auswirkungen der Verschmutzung der Meere durch Plastik in den kommenden Jahren von der Wissenschaft noch eingehender untersucht werden.

Eines ist jedoch sicher: Die von Fischen, Weich- und Krustentieren aufgenommenen kleinen Kunststoffteilchen verändern die Nahrungskette und landen – wie bereits gesagt – auch in unserem Risotto mit Meeresfrüchten. Laut einer Studie von Forschern der National University of Ireland an Nordseefischen landen 73 Prozent der Mikrokunststoffe auf unseren Tellern.

Mikroplastik
Mikroplastik landet auf unsere Teller

Wo versteckt sich Mikroplastik?

In der Kosmetik.

Seit den 90er Jahren verwenden zahlreiche Kosmetikhersteller Mikroperlen aus Kunststoff für Cremes, Rasierschäume, Zahnpasten und andere Produkte, die wieder abgespült werden. Aber welche Funktion hat Mikroplastik dabei? Produkte mit exfolierender Wirkung wie Peelings enthalten Partikel zum Entfernen von abgestorbenen Hautzellen, die oft aus Polyethylen-Mikroperlen bestehen. Eine kürzlich durchgeführte Analyse eines Peeling-Produkts in den Laboren des italienischen nationalen Forschungsinstituts CNR in Biella ergab, dass 150 ml davon bis zu 1,6 Millionen Polyethylenpartikel enthalten können. Zum Kreis der verdächtigen Mikroplastik-Quellen gehören auch Zahnpasten mit blauen Mikrogranulaten, die zwar zahnkosmetische Wunder versprechen, jedoch völlig nutzlos sind – wenn nicht sogar schädlich.

Aber auch in Stoffen.

Eine weitere wichtige Quelle für Mikrokunststoffe sind – neben Kosmetika und Waschmitteln – synthetische Gewebe. Beim Waschen von Kunststofffasern wie Polyester, Acryl und Polyamid entstehen in der Waschmaschine jedes Mal kleinste Partikel, die anschließend ins Abwasser und damit in die Wassersysteme gelangen. Die Norwegische Umweltbehörde hat festgestellt, dass jedes Kleidungsstück bei jedem einzelnen Waschgang bis zu 1.900 synthetische Fasern freisetzt. Die gleiche Behörde gibt an, dass 35 Prozent aller Mikrokunststoffe, die ins Wasser gelangen, durch das Waschen von Kleidung entstehen.

bis zu 1,6 Millionen Polyethylenpartikel in 150 ml

Wie kommt Mikroplastik ins Meer?

Bei jeder Dusche oder Wäsche werden die Mikroperlen in unserem Peeling-Gel oder die Mikrofasern unseres Lieblingspullis aus Fleece den Abfluss heruntergespült. Während die größeren Kunststofffragmente von den Kläranlagen zurückgehalten werden, können die meisten Mikrokunststoffe das Filtersystem passieren und erreichen unsere Meere und Flüsse.

Werden Verbote und Richtlinien ausreichen, um das Problem zu lösen?

Schön wäre es, aber das ist nur schwer vorstellbar. Nicht alle Hersteller wollen sich auf eine freiwillige Selbstverpflichtung einlassen. Da wir uns leider nicht nur auf Gesetze und den guten Willen der Industrie verlassen können, sollten wir selbst handeln und uns überlegen, was wir gegen Mikroplastik tun können, ohne dabei unsere Gewohnheiten drastisch ändern zu müssen. Ich habe ein paar Ideen für euch gesammelt:

  • Augen auf beim Kauf: Bevor ein kosmetisches Produkt in unserem Einkaufskorb landet, überprüfen wir, ob die Inhaltsstoffe Polyethylen enthalten. Wenn auf einer Verpackung nach Wasser Polyethylen als Hauptbestandteil aufgelistet wird, enthält das Produkt laut der oben genannten Studie 750.000 Plastikfragmente – und sollte besser im Regal stehen bleiben.
  • Ja zu Kosmetik natürlichen Ursprungs: Naturkosmetik finden wir online, in Bioläden und Reformhäusern. Dabei sollten wir aber eines nicht vergessen: es ist nicht alles Gold, was glänzt! Vorsicht bei Produkten, die green washing betreiben und nur auf ein natürliches Image statt auf natürliche Inhaltsstoffe setzen. Im Zweifelsfall hilft die Internationale Nomenklatur der kosmetischen Inhaltsstoffe (INCI) – wir sollten sie zu lesen lernen und dann Punkt 1 beim Einkauf beachten.
  • Weniger ist nicht nur mehr – sondern besser: Kosmetikprodukte sollten in Maßen verwendet werden und nur in den Mengen, die wirklich nötig sind.
  • Macht eure Hautpflege doch einfach mal selbst mit dem, was ihr Zuhause habt. Das macht richtig Spaß! Wenige Tropfen Mandelöl, die ihr mit braunem Zucker vermischt – et voilà, ihr habt ein ausgezeichnetes Peeling. Auf YouTube findet ihr dazu zahlreiche Videos mit Anleitungen. 
  • Kleidung seltener waschen. Muss die Hose, die ich nur einmal für einen Spaziergang im Wald anhatte, wirklich schon in die Waschmaschine? Meistens reicht Lüften, damit das Kleidungsstück am nächsten Tag noch einmal angezogen werden kann.
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Habt ihr noch andere Ideen, wie wir Mikroplastik vermeiden können? Neugierig wie immer freue ich mich auf eure Kommentare!