Noch nie zuvor wurde so viel über Langlebigkeit, Anti-Aging und gesundes Altern diskutiert wie heute. Wir achten zunehmend auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit und sind uns immer mehr bewusst, dass unser Altern davon beeinflusst wird, wie wir leben.

Wer mich persönlich kennt oder mir schon eine Weile auf meinem Blog oder in den Sozialen Medien folgt, hat bestimmt schon bemerkt, dass ich – salopp gesagt – ein wenig auf das Thema Gesundheit „fixiert“ bin … immer auf der Suche nach neuen Gewohnheiten und Routinen, die mir dabei helfen könnten, besser und länger zu leben.

 

Die Blue Zones

In den vergangenen Monaten hat insbesondere ein Zweig der Lebensstilforschung meine Neugier erregt: die empirischen Studien zu den sogenannten Blue Zones.

Die Forscher haben weltweit fünf Regionen ausgemacht – Sardinien, die Insel Okinawa in Japan, die Gemeinschaft der Siebentend-Tags-Adventisten in Kalifornien, den Ort Nicoya auf Costa Rica und die Insel Ikaria in Griechenland – die drei wesentliche Merkmale gemeinsam haben:

  1. die hohe Lebenserwartung der Menschen, die dort leben,
  2. den Anteil der Hundertjährigen pro 1.000 Einwohner
  3. die niedrigere Häufigkeit von Krankheiten wie Diabetes, Schlaganfall, Alzheimer und Übergewicht, die in Industrieländern normalerweise weit verbreitet sind.

Dass ich mich in diesem Blogpost auf Sardinien konzentriere, liegt daran, dass sowohl meine Leser als auch ich geografisch wie kulturell näher an der zweitgrößten Insel Italiens sind als an den anderen von der Forschung ausgemachten blauen Zonen. Und vielleicht wollt ihr euch demnächst bei einem Urlaub selbst ein Bild davon machen, wie es Sardiniens Bewohner schaffen, so lange und so gesund zu leben.

Laut der jährlich durchgeführten Bevölkerungszählung liegt die Anzahl der über Hundertjährigen konstant bei etwa 370 – die meisten von ihnen sind dazu noch bei sehr guter Gesundheit.

Es erübrigt sich zu erwähnen, dass diese zahlreiche Schar hochbetagter Damen und Herren eine wichtige Ressource für die Wissenschaft ist, die versucht herauszufinden, welche Faktoren ihre Langlebigkeit am stärksten beeinflussen, indem sie den Lebensstil dieser Menschen untersucht und ihre Berichte sammelt.

Was hat die Forschung bis jetzt gefunden?

Die wichtigste Entdeckung ist wohl die Bedeutung des genetischen Faktors für das Altern, denn die DNS der Hundertjährigen auf Sardinien weist einige Gemeinsamkeiten auf. „Glück gehabt“ könnte man da sagen – unsere Gene können wir uns ja nicht aussuchen.

Aber gibt es noch andere Faktoren in unserem Alltag, die dafür sorgen, dass wir gesund altern? Ja, die gibt es!

 

Mit Ernährung gegen das Altern

Welche Ernährungsweise fördert die Gesundheit, verlangsamt Alterungsprozesse und verhindert, dass altersbedingte Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten?

Das Geheimnis unserer sardischen Hundertjährigen lässt sich in der so genannten Mittelmeerdiät zusammenfassen, mehr dazu in meinem Artikel über die Vorteile der Mittelmeerdiät:

Mittelmeerdiät

  • viel gesundes Fett in Form von Omega-3-Fettsäuren, die durch Fisch und Gemüse aufgenommen werden
  • ein geringer Fleischkonsum, insbesondere wenig rotes Fleisch
  • Vorzugsweise vollwertige Kohlenhydrate mit einem niedrigen glykämischen Index, damit der darin enthaltene Zucker langsamer im Körper freigesetzt wird
  • nach Belieben Obst und Gemüse, das reich an Polyphenolen, Flavonolen und Anthocyanen ist.

Außerdem hat sich gezeigt, dass der sardische Käse, der noch unverfälscht und auf natürliche Weise hergestellt wird, sich positiv auf das Altern der Menschen auswirkt.

Die Umwelt

In Sardinien ist die Luftqualität sehr gut und viele der heute Hundertjährigen haben den größten Teil ihres Lebens im Freien verbracht und das Land bearbeitet oder Obst und Gemüse angebaut. Hier kommt dann auch der Aspekt der körperlichen Betätigung im Freien ins Spiel – ein weiterer Faktor, den die Blauen Zonen gemeinsam haben, denn auch die Senioren von Okinawa bewegen sich jeden Tag in Maßen und ihrem Alter entsprechend – und dazu noch viel mehr als die Jüngeren.

 

Der wichtigste Faktor jedoch …

… könnte euch überraschen! Aufmerksam wurde ich auf diesen Faktor durch einen TED-Vortrag von Susan Pinker, einer Verhaltenspsychologin, die bei einem Aufenthalt in Sardinien die Biographien der über Hundertjährigen und das Umfeld, in dem sie leben, näher untersucht hat. Das erste, was ihr auffiel, als sie in das kleine Dorf in der Provinz Ogliastra kam, war, wie dicht aneinander gedrängt die einzelnen Häuser im Ort sind.

Sie ging dann in diese Häuser und fragte sich, was das Geheimnis der Langlebigkeit ihrer Bewohnerinnen und Bewohner war. Sie entdeckte dabei, dass alle tatsächlich sehr unterschiedliche Gewohnheiten haben, was eine Verallgemeinerung erschwert.

In ihrem TED-Vortrag vergleicht Pinker die Faktoren, die nach den wissenschaftlich anerkannten Erkenntnissen und aufgrund der Feldforschung das Sterberisiko vermindern können.

Dabei fällt auf, das einer Aspekt – noch vor dem Rauchen und der Verschmutzung der Städte – das Sterberisiko beeinflusst: der soziale Faktor. Die meisten der sardischen Hundertjährigen, die sie in Ogliastra traf, sind von Menschen umgeben, die ihnen wichtig sind: von engen Familienmitgliedern und entfernteren Familienangehörigen, von Freunden und Kollegen. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Generationen sind stärker ausgeprägt als anderswo und Geselligkeit spielt eine zentrale Rolle im Leben aller.

 

 

Der Homo Socialis

Für mich war die Bedeutung des sozialen Faktors für das Altern eine wahre Offenbarung. Mir ist durchaus bewusst, dass diejenigen von uns, die etwa weit weg von ihrer Familie und in einem Umfeld leben, in dem es nicht sehr einfach ist, neue Freundschaften zu knüpfen, sich nun besorgt fragen könnten, ob es daher für sie wahrscheinlicher ist früher zu sterben.

Darauf habe ich auch keine Antwort.

Die gute Nachricht aber ist, dass laut Pinker schon genügt, die Zahl der sozialen Interaktionen pro Tag zu erhöhen, um unsere Gesundheit und Langlebigkeit zu fördern.

Also nicht verzagen! Stattdessen sollten wir so viel wie möglich mit den Menschen reden, die wir treffen, Veranstaltungen für Expats besuchen und jede Gelegenheit nutzten, um neue Freunde zu gewinnen – gerne auch mit Hobbys oder Sportarten, die uns die Gelegenheit bieten, Menschen kennenzulernen oder die wir gemeinsam mit anderen praktizieren können.

Wir sollten dabei keine Angst haben, aus oberflächlichen Begegnungen auch tiefergehende Beziehungen entstehen zu lassen und auch einmal unsere Sorgen und Nöte mit den Menschen zu teilen, die wir kennen – manchmal entstehen so ganz besonders wertvolle Momente.

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, meinen Artikel zu lesen. Ich möchte euch wissen lassen, dass ich mich sehr freue, wenn ihr eure Beziehung zu mir – egal ob privat oder geschäftlich – vertiefen wollt.