Letztes Jahr wünschte ich der italienischen Bio-Branche zum Abschluss meines Artikels, in dem ich für Euch die wichtigsten Daten und Fakten zusammengefasst habe, auch weiterhin viel Erfolg. Und wenn ich mir die Zahlen, die auf der SANA in Bologna vorgestellt wurden, ansehen, scheint es, dass meine guten Wünsche geholfen haben.

Am 8. September 2017 saß ich in einem Saal voller Leute und habe der Vorstellung der Daten der Studie SANA-NOMISMA 2017 beigewohnt, die auf der Analyse der SINAB, dem italienischen Informationssystem zum ökologischen Landbau, basieren.

Bevor dem Schreiben dieses Artikels habe ich natürlich die Richtigkeit meiner Notizen anhand der unten genannten Quellen überprüft.

 

Mehr Flächen und Betriebe

 

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Bio-Anbauflächen um 20,3 % gestiegen

Die Bio-Branche in Italien weist sowohl bei der Zahl der Betriebe als auch bei den Anbauflächen einen prozentualen Zuwachs von 20,3 % auf (zum Vergleich: in Spanien ist Bio um 5 %, in Frankreich um 11 % und in Deutschland um 8 % gewachsen).

In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die Zahl der zertifizierten Bio-Betriebe im vergangenen Jahr auf 72.154 und die Anbauflächen auf 1.795.650 Hektar gestiegen sind. Damit werden 14,5 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Flächen in Italien biologisch bewirtschaftet.

 

 

Die Zahlen zum Bio-Verbrauch

 

Eine italienische Familie gibt im Durchschnitt 448 Euro für Lebensmittel aus, was einem Anstieg des Verbrauchs von 0,2 % entspricht. Für ein Land wie Italien, das mit Mühe dabei ist, die Krise im Agrarlebensmittelsektor zu überwinden, mag das zwar recht mager erscheinen, aber man darf nicht vergessen, dass der Lebensmittelverbrauch – insbesondere bei Fleisch-, Wurst- und Milcherzeugnissen – in den letzten Jahren stark eingebrochen ist. Und genau das sind die Bereiche, in denen Bio in Italien am stärksten zugelegt hat.

Die Gewohnheiten der Italiener ändern sich. Gut zu essen und zu leben steht dabei immer mehr im Vordergrund, auch wenn Italien im World Happiness Report 2017 nur den 48. Platz im GlücksRanking einnimmt (unter die Lupe genommen wurden 155 Länder, das Land mit den glücklichsten Bewohnern ist Norwegen, Deutschland belegt den 16. Rang). Unzufrieden sind die Italiener jedoch vor allem mit dem öffentlichen Leben, nicht jedoch im Privaten – und hier spielt das Essen, das kulturell für Wohlbefinden und ein gemeinschaftliches Erleben steht, eine sehr wichtige Rolle.

 

Qualität und Sicherheit der Lebensmittel, aber auch ihre Nachhaltigkeit sind immer öfter ausschlaggebend dafür, dass die Italiener zu Bio-Produkten greifen. In allen Bereichen der Bio-Lebensmittelbranche ist derzeit eine Konsolidierung zu beobachten – auch weil Bio-Produkte im Einzelhandel (und da sogar im Discount-Bereich) mittlerweile ihren festen Platz haben. Für das Jahr 2016 ist hier eine Steigerung von 32,4 % festzustellen.

 

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Bio in Italien hat bei Fleisch-, Wurst- und Milcherzeugnissen am stärksten zugelegt

 

„Im ersten Halbjahr 2017 hat der Verkauf von biologischen Getreideerzeugnissen (+3,2 %), Bio-Obst (+19,3 %) und Bio-Gemüse (+12,7%) sowie biologisch erzeugten Milchprodukten (+16,2 %) ein beachtliches Volumen erreicht, das zusammengenommen für 68 % des Gesamtumsatzes von Bio-Produkten verantwortlich ist. Es zeigt sich, dass Obst, Gemüse und Milchprodukte aus biologischer Erzeugung im Vergleich zu den entsprechenden konventionell erzeugten Produkten auch hier wieder für eine beachtliche Umsatzsteigerung verantwortlich sind. Diese Entwicklung bestätigt, dass die Verbraucher insbesondere auf die Qualität frischer Produkte achten: So ist der Konsum konventionell erzeugter Eier leicht rückläufig (-0,7 %), während der Umsatz von Bio-Eiern steigt (+9,2 %) und damit einen Anteil von 12 % des Gesamtumsatzes hat.“

 

Neue Trends und die Rolle von Bio-Produkten für Vegetarier und Veganer.

 

Bio steht für Werte, die vor allem von jungen Menschen und Personen mit einem guten Bildungsniveau geteilt werden

Für viele Italiener nimmt das Essen einen echten therapeutischen Wert in ihrem Leben ein. Bio repräsentiert außerdem einige Werte, die vor allem von jungen Menschen und Personen mit einem guten Bildungsniveau geteilt werden: Neben dem Wunsch, die Umwelt und die Artenvielfalt zu schützen und den Kampf gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmern und Lieferbetrieben zu unterstützen, nimmt für die Käufer von Bio-Produkten auch die Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere, die unser Fleisch, unsere Eier und unsere Milch erzeugen, ebenso einen hohen Stellenwert ein wie die Sicherheit der Lebensmittel, die dank der Kontrollen und Zertifizierung des italienischen Agrarministeriums garantiert wird.

 

 

In Italien basiert die Ernährung der Familien seit je her zu einem guten Teil auf Obst und Gemüse – und in den italienischen Familien finden sich heute immer mehr Mitglieder, die Vegetarier oder Veganer sind.

Der Verbrauch von frischem Obst und Gemüse ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um +2,2 % gestiegen, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt dabei bei 152 kg. Zum Vergleich: In Deutschland, wo diese Ernährungsweise traditionell nicht so verbreitet ist, stieg der Verbrauch von Obst und Gemüse um +1,3 % und liegt bei 107 kg pro Person.

 

Allein im Einzelhandel legte im statistischen Warenkorb für Obst und Gemüse der Anteil der verkauften biologischen Obst- und Gemüseerzeugnisse um +28 % zu, im Vergleich zu einem Umsatzplus von nur +9 % bei Obst und Gemüse im Allgemeinen.

 

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Der pro-Kopf Verbrauch von Obst und Gemüse, sowie die Anzahl der Vegetarier und Veganer ist deutlich gestiegen

 

Abschließend stellt Silvia Zucconi, Leiterin der SANA-Nomisma-Studie, die Frage: „Kann man auch in Zukunft auf Bio setzen? Heute ist die Bio-Branche in Italien 5 Milliarden Euro wert, davon werden drei in Italien und zwei im Ausland umgesetzt – eine Steigerung von 16 % zum Vorjahr und von 400 % zum Jahr 2008. Bio ist somit keine Nische mehr, sondern ein Wachstumsmarkt mit rekordverdächtigen Umsatzzahlen.“

 

Quellen:
  • Osservatorio SANA http://sana.it/iniziative/osservatorio-sana/
  • Nomisma http://www.nomisma.it
  • Pressekonferenz: „I numeri del bio italiano“, 8. September 2017, Bologna