Interview mit Sarah King (Dezember 2020)

Während die Tage draußen langsam kürzer und dunkler werden, möchte ich einen Lichtblick am Ende dieses insgesamt eher dunklen Jahres setzen. Denn auch in diesem Jahr gab es viele Dinge, die mich inspiriert, motiviert und durch die schwierige Zeit gebracht haben. Eines davon ist die Erkenntnis, dass das Bewusstsein in puncto Nachhaltigkeit und Umweltschutz schnell wächst. Das gilt nicht nur für die Branchen, die ich als Übersetzerin und Dolmetscherin verfolge (mehr dazu in der Serie „nachhaltig tagen“), sondern auch für meine eigene Branche. Auch wir Dolmetscher*innen haben uns in diesem und in den letzten Jahren verstärkt mit dem Thema beschäftigt und einiges unternommen, um unseren privaten und beruflichen Alltag grüner“ zu gestalten.

Der Verband der Konferenzdolmetscher organisierte zum Beispiel diverse Regionaltreffen zum Thema „grüne Kabine“. Bei zwei dieser Treffen war Sarah King dabei und berichtete von ihrer Erfahrung als Unterstützerin der Allianz für Entwicklung und Klima und auch generell von ihren Bemühungen, ökologisch zu leben und zu arbeiten. Ich fand ihre Impulse so spannend, dass ich sie Euch nicht vorenthalten wollte: Ich habe Sarah interviewt. 

Liebe Sarah, Du hast beim VKD-Regionaltreffen erzählt, dass Du Mitglied bei der Allianz für Entwicklung Klima und bist. Wie bist Du auf diese Organisation aufmerksam geworden und was hat Dich motiviert, mitzumachen?

Die Allianz für Entwicklung und Klima ist eine Initiative u. a. des Entwicklungsministeriums und der GIZ, auf die ich bei einem Dolmetscheinsatz aufmerksam wurde. Die Erfolgsgeschichten einiger Unterstützer*innen haben mich und Magdalena Lindner-Juhnke, in deren Team ich war, so inspiriert, dass wir am Ende total überzeugt waren und schnell selbst Unterstützerinnen geworden sind. Motiviert hat mich insbesondere der vorausschauende und ganzheitliche Ansatz, Klimaziele und Entwicklungsziele miteinander zu verbinden, und zwar auf eine Art, die nicht imperialistisch daherkommt, sondern echtes Empowerment bietet. Besonders beeindruckt war ich davon, dass nach sehr kurzer Zeit bereits viele Unterstützer*innen dabei waren, darunter große Firmen wie Bosch, die Stadtverwaltung Ulm oder etwa der Fußballverein TSG Hoffenheim, der beispielsweise die Anfahrt der Auswärtsmannschaften zu den Spielen CO2-neutral setzt.

Geht es bei der Allianz vorrangig um ökologische Nachhaltigkeit oder insgesamt um Millenniumsziele?

Es geht um die UN-Millenniumsziele, eingebettet in speziell auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit geprüfte und zertifizierte Entwicklungsprojekte. Das ist das Charmante: Die Allianz hat geprüfte Kompensationspartner*innen, die qualitativ hochwertige Kompensationsprojekte anbieten. D.h. für all den CO2-Ausstoß, den man – als Unternehmen oder auch als Privatperson – nicht vermeiden kann, findet man auf einen Blick gute Lösungen zum Kompensieren und unterstützt dabei Länder, sich wirtschaftlich stark zu entwickeln, ohne dabei denselben Fehler wie die heutigen Industrienationen zu machen und Raubbau an Mensch und Umwelt zu treiben. Bei den Kompensationspartner*innen ist klar, dass diese kein Greenwashing betreiben bzw. begünstigen und dass sie vor Ort nachhaltige und autarke Strukturen aufbauen, die sich in die vorhandene Infrastruktur einfügen bzw. diese gezielt schaffen.

Was sind Deine Aufgaben bzw. Verpflichtungen als Unterstützerin?

Als Unterstützer*in – eine Aufgabe, die man, wie gesagt, als Unternehmen oder als Privatperson übernehmen kann – geht man eine schriftliche Selbstverpflichtung ein, sich perspektivisch klimaneutral zu stellen, d.h. beim eigenen CO2-Ausstoß stets zu überlegen, ob dieser vermeidbar bzw. reduzierbar ist. Wo dies (noch) nicht möglich ist, verpflichtet man sich zur qualitativ hochwertigen Kompensation. Die eigene Entwicklung dokumentiert man in einem jährlich in Form eines Fragebogens an die Allianz abzugebenden Statusbericht.

Wie groß ist der Aufwand, Deine Emissionen zu berechnen und zu dokumentieren?

Ich schätze den Aufwand auf ein paar Stunden im Jahr. Es kommt etwas darauf an, wie umfangreich das Geschäft ist und wie oft man kompensiert. Ich mache das so, dass ich alle relevanten Daten unterjährig dokumentiere, d.h. ich schreibe mir immer auf, welche Wege (in Kilometern) ich wie zurücklege, wie viel Strom und Gas ich verbrauche (sieht man ja auf der Abrechnung der jeweiligen Anbieter). Wichtig ist auch, eine klare Regelung mit Subunternehmer*innen zu finden, wer den anfallenden Ausstoß von Anreisen bzw. Transport (z. B. von technischer Ausrüstung) kompensiert. Dann kompensiere ich immer im Januar für das zurückliegende Jahr. Je nach Kompensationsrechner, den man verwendet, werden unterschiedliche Dinge abgefragt, aber man kann den Ausstoß ja auch nur ganz grob berechnen, wenn man das bevorzugt. Ich benutze meist den Rechner von Prima Klima (https://www.primaklima.org/mein-klima/mein-co2-fussabdruck/), aber es gibt auch noch andere gute. Die Berechnungsgrundlagen unterscheiden sich leicht, aber das schlägt sich im Ergebnis nicht signifikant nieder.

Du hast auch erzählt, dass Du Dich sowohl privat als auch beruflich sehr nachhaltig unterwegs bist und gemeinsam mit Deiner Familie vieles umgestellt hast. Hast Du ein paar Tipps für Kolleg*innen oder für vielreisende, die nachhaltiger Leben möchten? Stichwort „grüne Kabine“

Das A und O ist gute Planung, denke ich. Das ist vielleicht am Anfang gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit jedoch ist es kaum Mehraufwand. Ich kaufe inzwischen so gut wie nie Essen und Getränke unterwegs ein, sondern nehme alles mit (außer auf längeren Reisen natürlich). Ich habe immer eine nachfüllbare Wasserflasche und ggf. einen Thermo-Kaffeebecher dabei, nehme Besteck und Stoffservietten, ggf. auch Glastrinkhalme, selbst mit. Wenn ich zu Hause koche, friere ich mir oft handliche Portionen ein, die sich gut mitnehmen lassen, z. B. Couscous- oder Linsensalat oder andere Dinge, die man im Notfall auch kalt essen kann. Ein Tipp: Smoothies in leeren Marmeladengläsern einfrieren (aber nicht zu voll machen!) und dann morgens aus dem Tiefkühlfach nehmen. Mittags sind sie dann gut gekühlt trinkbar. Für die grüne Kabine allgemein: Immer überlegen, ob man wirklich Auto fahren (oder gar fliegen) muss oder ob es nicht doch auch die Bahn sein kann. Und ansonsten: Immer schön kompensieren!

Ich danke Dir für das tolle Interview!

Habt ihr jetzt auch Lust bekommen, beiderAllianz für Entwicklung und Klima mitzumachen?

Hier geht es direkt zur Registrierung: https://allianz-entwicklung-klima.de/unterstuetzer/unterstuetzer-werden/

Ich werde es mir auf jeden Fall näher anschauen!

Über Sarah King

Sarah King

Sarah ist passionierte Dolmetscherin und Übersetzerin (www.goodterms.de), Mutter, Feministin und überzeugte Europäerin. Nach Lebensstationen in Paris, London, Perugia (Italien), Wiesbaden, Sydney (Australien) und Berlin hat es die gebürtige Rheinländerin seit nunmehr 11 Jahren gemeinsam mit ihrem englischen Ehemann und inzwischen zwei Kindern wieder an ihren ersten Studienort Köln zurückverschlagen, wo sie sich in einer Altbauwohnung mit Garten in der besten Hausgemeinschaft der Welt pudelwohl fühlt.

Neben ihrem Blog über die britische und deutsche Kultur und Sprache (www.pommesbuddha.com) interessiert sie sich seit Langem für ein nachhaltiges Leben mit weniger Müll, für gewaltfreie Kommunikation und Achtsamkeit.

Aktuell liegt ihr das Thema Selbstfürsorge sehr am Herzen. Sie ist passionierte Pilatera und praktiziert Entspannungstechniken wie Meditation und autogenes Training. Sarah ist zudem eingefleischte Radfahrerin und liebt auch das Bergwandern.

Pin It on Pinterest

Share This